Gestern war es soweit: unser Abiball, der endgültige Abschluss unserer Schulzeit, fand im CCH statt…

Nachdem wir morgens um 900 Uhr erst einmal unsere Zeugnisvergabe hatten, welche zweieinhalb Stunden andauerte, mit musikalischen Unterbrechungen des Oberstufenchores und einigen mal mehr, mal weniger langweiligen Reden. Das ganze fand im CinemaxX-Wandsbek statt, weshalb herr Hinners sich in seiner Rede einen kleinen Scherz erlaubte, denn „heute erleben wir eine Premiere: Abitur im Kino: Oscars für alle!“ Danach verglich er unser Leben mit einigen größeren und kleineren Hollywood-Blockbustern, ging auf den geschichtlichen Hintergrund unseres Jahrgangs ein (wir sind zur Zeit des Mauerfalls geboren, Herr Dr. Hinners hingegen zur Zeit der Gründung der Bundesrepublik), denn beide feiern zu dieser Zeit ein Jubiläum: 20 Jahre Mauerfall und 60 Jahre BRD.

Anschließend wünschte er uns noch viel Glück, Erfolg und was man sonst noch so wünscht für unsere Zukunft und schloss mit den leicht abgewandelten Worten »Yes, you can!«…

Anschließend hielt Jan-Göran Gluschke, unser Jahrgangsbester, seine Rede und fing direkt grausam an: »Ben, ach Ben, wo bist all die…« (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand, S.7, Z.1), denn niiieeemand, wirklich niemand konnte dieses Buch der Deutsch-Demokratischen-Literatur leiden, es war langweilig, verwirrend und unvollständig auf sage und schreibe 639 Seiten, es las sich einfach wie Kaugummi. Allerdings wollte er sich nur einen Spaß erlauben, oder er hoffte auf wenigstens eine positive Reaktion, doch da konnte er eigentlich von ausgehen, dass diese nicht kam…

Da ich diese Rede aber einfach so gut fand, muss ich sie hier einfach komplett zum Lesen anbieten, nur die von Johannes Dick am MCG war lustiger, leider scheint es so, dass es die nicht in schriftlicher Form gibt…

Abiturzeugnis-Vergabe

»Ben, ach Ben, wo bist all die…« (Brigitte Reimann: Franziska Linkerhand, S.7, Z.1)

Keine Angst, war bloß Spaß.

Vorab möchte ich mich bei meinem GMK-Kurs entschuldigen. Ich glaube diese tapferen Weggefährten haben die letzten Wochen damit verbracht zu feiern, nie wieder meine Stimme hören zu müssen. Aus Rücksicht auf eure strapazierten Gehörgänge werde ich mich kurz fassen.

Hallo liebe Mitabiturientinnen und -abiturienten, sehr geehrte Eltern, Verwandte, Freunde und Lehrkräfte. Ich begrüße auch all diejenigen, die gestern in der Spätvorstellung von „Terminator – die Erlösung“ eingeschlafen sind, sich nun den Schlaf aus den Augen reiben und sich fragen, was so viele Menschen, so früh morgens in einem Kino zu suchen haben. Letzterer Gruppe möchte ich diese Frage gern beantworten. Wir haben uns heute eingefunden, um uns Abiturenten feierlich in einen neuen Abschnitt unseres Lebens zu entlassen.

Angesichts einer solchen Zäsur bietet sich ein Rückblick auf das Geschehene genauso an, wie ein Blick in die Zukunft.

Für uns alle waren die letzten Monate eine aufregende Zeit. Niemand blieb wirklich vom Abistress verschont. So kommt es, dass erst jetzt, wo sich die Freude und Erleichterung über das Ende der Prüfungen langsam legt und auch die letzten großen Ereignisse wie Abistreich oder Abiball an uns vorbeiziehen, merken wir, dass wir tatsächlich an einem Punkt angekommen sind, den wir in so weiter Ferne glaubten, ganz gleich, ob wir ihn nun ersehnten oder ihn fürchteten.

Für mich kam diese Erkenntnis, als ich einige Tage nach meiner mündlichen Prüfung meinen Schreibtisch entrümpelte. Ich stellte zweierlei fest:

Erstens: Der zweite Hauptsatz der Thermodynamik stimmt: Die Entropie, also das Maß an Unordnung nimmt nie ab.

Und Zweitens: Ich würde nie wieder zur Schule gehen.

Man sollte meinen, dass dies für keinen von uns eine sonderlich große Überraschung darstellt, schließlich haben wir die letzten dreizehn Jahre unseres Lebens mal mehr, mal weniger diszipliniert auf eben diesen Tag hin gearbeitet. Mir jedoch wurde erst in diesem Moment klar, dass tatsächlich eine Periode von neun Jahren zu ende gegangen ist, in der wir immerhin mehr als ein Drittel unserer Zeit, die wir nicht geschlafen haben, in der Schule verbrachten. Tatsächlich gibt es wohl den einen oder anderen, der zugeben muss, dass sich Schlaf- und Schulzeit gelegentlich überschnitten haben.

So mischte sich zu der Freude über das bestandene Abitur und zur Vorfreude auf all das, was nun kommen würde, auch etwas Melancholie. Als ich mit Jonas am Dienstag durch die Schule ging und wir nach sieben Jahren das erste Mal wieder unseren alten Klassenraum im Pavillon betraten und tafelstaubdurchsetzte Luft einsogen, wurde uns klar, wie sehr wir uns verändert hatten.

Ich setzte mich auf den Stuhl, auf dem ich gefühlte drei Liter Blut verlor, als mir Anka Hopp in einer Fünfminutenpause einen Bleistift in die Hand rammte. Ich interpretiere das einfach mal als eine Art, Zuneigung auszudrücken. So kommunizieren Jungen und Mädchen in dem Alter halt.

Ich kam an dem Platz vorbei, auf dem ich Blut und Wasser schwitzte, als ich bei Herrn Hechler meine erste 4 schrieb. Ich weiß noch heute, wie ängstlich ich damals auf meinem Stuhl kauerte, mit laufender Nase und den Tränen nahe, als ich merkte, dass das wohl nichts werden würde. Hätte ich mich bloß besser vorbereitet! Doch schon damals galt lernen als Wettbewerbsverzerrung.

Wieder draußen schritt ich an den Beton-Tischtennisplatten vorbei, an denen wir jede Pause „mit Hand“ Runde spielten. Ich glaube, dass noch manch einer heute einen verstümmelten linken Hüftknochen hat, weil er in der Bückelrunde die Kurve vorbei an der Kante etwas zu eng zog.

Ich kam am Sportplatz vorbei, der früher im Sportunterricht gerade beim Fußball zum Schlachtfeld pubertierender, hyperselbstbewusster Egozocker wurde. Gleich daneben die Umkleidekabine, in der Marcell als Siebtklässler vergeblich versuchte, sich in einen Super-Saiyajin zu verwandeln.

Das Fenster zur Chemie stand offen, in der Herr Fimpel uns damals im rosa Sambakostüm die Hochzeit der Elemente vortanzte. So in Gedanken versunken erblickte ich Kim, der vor Zittern sein Fahrradschloss nicht aufbekam, weil ihm Herr Farag zu viele Elektroschocks verpasst hatte während er ihm riet: „Nimm ma eine Guitarre und geh Wandsbek Markt und sing: Ich bin der Doofe, ich bin der Doofe.“ ihm schließlich aber den Nobelpreis für Mathematik verlieh.

Ich half also Kim mit seinem Fahrradschloss, schloss meins auf und fuhr an den Treppen vorbei, auf denen wir nach unseren letzten Abiprüfungen entkräftet, aber glücklich zusammengebrochen waren. Durch die Tür glänzte der Vertretungsplan, den ich aus Gewohnheit sogar beim Abistreich einmal durchdrückte, aus welchem Grund auch immer. Für einen Moment war ich sogar etwas enttäuscht, dass nichts ausgefallen ist, dann kam ich mir etwas dumm vor.

Auf jeden Fall radelte ich so an Gutkauf vorbei in Richtung Heimat.

Auch wenn sich die Lebens- und Leidenswege von uns allen sicher unterscheiden, sich an einigen Stellen unser Schullaufbahn gekreuzt haben, von Anfang an eng miteinander verbunden waren oder erst in der Oberstufe zusammengelaufen sind, so verbinden uns doch alle neun erlebnisreiche Jahre am CPG.

Und nun blicken wir gemeinsam einer aufregenden Zukunft entgegen.

Heute erhalten wir schließlich unser Abiturzeugnis, das Zeugnis der Reife. Diese Reife drückt sich nicht dadurch aus, dass wir ein dreidimensionales Integral in Kugelkoordinaten lösen können oder die Hauptstadt von Papa Neuguinea kennen.

Ich denke, dass es nicht ausschließlich darauf an kommt, was wir in unseren 13 Jahren an der Schule gelernt haben, viel wichtiger scheint mir, dass wir das Lernen gelernt haben. Wir haben die Werkzeuge erhalten, uns selbst zu bilden, denn nur wir selbst sind dazu in der Lage.

Sicherlich bildet Wissen eine Grundlage für unsere Bildung. Wissen ist das Fundament unserer Weltorientierung. Gebildet sein bedeutet aber vor allem, das Wissen zu hinterfragen, zu verstehen auf welche Weise es zustande gekommen ist, und es einordnen zu können.

Bildung bedeutet auch, Dogmen abzulehnen und die eigene Kultur, die nicht zuletzt unser Verständnis von Gut und Böse prägt, mit kritischer Distanz zu betrachten. Man lernt, den eigenen Hintergrund als zufällig zu begreifen, und erkennt andere Kulturen als gleichberechtigt an.

Diese Einsicht ist Grundlage für ein tieferes gegenseitiges Verständnis.

Peter Bieri sagte: »Der Gebildete ist einer, der ein möglichst breites und tiefes Verständnis der vielen Möglichkeiten hat, ein menschliches Leben zu leben.«

Dieses Verständnis kann durch Reisen und Auseinandersetzung mit anderen Menschen entstehen, es kann aber auch vom Lesen kommen. Durch Bücher können wir Dinge erleben und fühlen lernen, die uns sonst verschlossen geblieben wären. In der Schule haben wir gelernt, so zu lesen, dass Bücher uns verändern.

»Der gebildete Mensch«, um mir noch einmal Peter Bieris Worte zu leihen, »kann, weil sein begriffliches Repertoire durch das Lesen größer geworden ist, nuancierter über sein Erleben reden und das wiederum hilft ihm, differenzierter zu empfinden.« So werden auch seine Beziehungen zu anderen Menschen differenzierter und vielfältiger. Also findet Bildung ihren Ausdruck im Einfühlungsvermögen eines Menschen. Der Gebildete ist in der Lage, sich durch die Einsicht in die Zufälligkeit seines eigenen Hintergrundes und seiner Prägung in andere hinein zu versetzen.

Bildung ist ein Prozess, der nie abgeschlossen ist. Einen gebildeten Menschen in diesem Sinne gibt es also nicht. Trotzdem erlischt das Wahrheitsstreben in uns nicht. Es treibt uns eine Neugier, uns weiter zu entwickeln. Zwar »irrt der Mensch, solang er strebt.«, doch wer »immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen.«

Unsere Verantwortung besteht also darin, das Werkzeug, was uns in der Schule vermittelt wurde, weiter zu nutzen, um uns ständig zu bilden.

Auch wenn im Moment der Stolz über das Geleistete überwiegt, müssen wir unsere Schulbildung auch als Privileg begreifen, das längst nicht jedem Menschen auf diesem Planeten zuteil wird und das wir uns im Nachhinein verdienen müssen, indem wir unsere Fähigkeiten und Fertigkeiten zum Nutzen aller einsetzen.

Denn mit dem Entdecken und Erlernen unserer Möglichkeiten kommt die Bürde sie zu nutzen. Es ist unsere Pflicht, Dinge kritisch zu hinterfragen und dies, wenn nötig, laut zu tun. Ein solches Verhalten macht das Leben sicher nicht einfacher, doch wie sagte Ernesto Guevara:

»Wissen lässt uns verantwortlich werden.«

In diesem Sinne wünsche ich uns allen, dass wir in unserem Schaffen eine gesunde Balance finden, zwischen dem was für andere und dem, was für uns gut ist.

Schließen möchte ich jedoch mit den Worten aus der Sesamstraße, dem Ursprung aller Bildung, deren Wahrheit sich in 13 Jahren Schule mehrfach bewiesen hat:

»Wer, wie, was? Wieso, weshalb, warum? Wer nicht fragt bleibt dumm.«

Danke

(Jan-Göran Gluschke)
Abiturzeugnis

Im Anschluss hielt dann Hanna Krekelers Mutter noch eine Rede als Elternvertreterin und dann Herr Reckleben, welche allerdings eher mathematisch/physikalisch angehaucht war – also so gar nichts für mich…

Dann gab’s die Zeugnisse, bei 123 Schülern und acht Tutgruppen ein langes Unterfangen. Ich war in der sechsten Tutgruppe bei Frau Petri und bekam dann auch endlich mein Abiturzeugnis mit einem Durchschnitt von 2,3. Im Anschluss gab es dann noch einen Sektempfang und viel Stress um rechtzeitig um 1930 Uhr super gestylt im CCH zu erscheinen.

Das klappte auch eigentlich, nur war bei uns das Problem, dass wir uns eine weiße Limousine für 1800 Uhr bestellten, sie allerdings erst um 1845 Uhr kam. Okay, das war das eine Problem, das andere war: sie war pink!!! Okay, irgendwie auch lustig, wenngleich auch peinlich, aber gut, wir hatten trotzdem Spaß…

Der Ball war sehr gut strukturiert und durchorganisiert, mit Essen, wenn es auch ein Buffet war, musikalischer Latino-Live-Untermalung, Partymusik, noch weiteren Reden (hierbei müchte ich noch einmal Jan-Göran zitieren: „Und ich glaube jeder wird jetzt verstehen, warum ich sage, dass nun eine ungerade Anzahl an Augenbrauen auf der Bühne steht: Gotthold“, der Arme ist um einen einzigen Punkt an einem Durchschnitt von 1,0 vorbeigerutscht, deshalb ist er der 1,0er der Herzen…)

Das war aber noch immer nicht alles, denn Milli verteilte noch die Schülerawards – womit nun endlich der Bezug zur Überschrift hergestellt wäre – denn ich wurde zum nächsten DSDS-Gewinner und 9live-Moderator gewählt, desweiteren habe ich anscheinend die größte Veränderung seit der fünften Klasse durchgemacht. Annka wird unsere nächste Bundeskanzlerin, Parmida hat das schönste Lächeln und Saye wurde zum Tollpatsch ernannt. Amir hingegen ist der Stufen-Proll und Gotthold (unser 1,0er der Herzen) unser Superbrain. Aber das ist alles nichts gegen unser schönstes Stufenpärchen: Nils und Johannes, allerdings sollte man das nicht so ganz ernst nehmen…

Ganz zum Schluss sangen wir dann noch unseren Abisong – allerdings war es gar nicht so einfach die Leute zusammenzutrommeln, da die Salsa-Band die Mikrofone mitgenommen hat – zur Melodie von Frauenarzt Feat. Manny Marc – »das geht ab«:

AbBll A

AbBll A

AbBll B

AbBll B

AbBll C

AbBll C

AbBll D

AbBll D

AbBll E

AbBll E

AbBll F

AbBll F

AbBll G

AbBll G

AbBll H

AbBll H

AbBll I

AbBll I

Ich hab dieses Gefühl,
das wird hier heut‘ ’n riesen Ding.
Das wird die Party des Jahres,
ja das sagt mir mein Instinkt.

Heut‘ sind alle dabei,
das Abitur ’09 zu feiern.
Schick gemacht, Haare gestylt,
der Anzug sitz, man selber schwitzt,
das Kleid ist wunderschön,
doch richtig atmen ist nicht drin.
Das CCH ist uns’re Location.
Alle machen mit!

Refrain:

Hey Abitur, heut‘ Nacht ist Party pur, Pa-a-arty! (3x)
Hey Abitur, heut‘ Nacht ist Party pur, Party pur!

Hier hab’n wir uns versammelt,
das letzte Mal zusammen,
miteinander zu feiern,
doch nun wird alles anders,
wir sagen »tschüss«,
(um) getrennte Wege zu gehen,
die letzte Frage bleibt nur:
wohin wirst Du gehen?

2x Refrain

Dankenswerterweise wurde dieser Text noch zuvor von Carina und Milli alias Knöpfchen und Schnuggie zusammengedichtet.

Es war ein sehr schöner Abiball, den wir alle mit Sicherheit nicht so schnell vergessen werden…

Wie gut hat Dir der Artikel gefallen?

Leave a Reply