Letzte Woche hätte ich lernen sollen. Hätte. Hab ich nicht. Stattdessen haben wir uns mal wieder Besuch ins Haus geholt. Aus Bayern diesmal. Ein netter junger Mann. Sieht aus wie 25. Ist aber schon 30. Kevin war quasi die ganze Woche nicht zuhause. Also hab ich mich um ihn gekümmert.

Mittags halb eins sollte er am Flughafen ankommen. Ich hielt, als ich dort wartete, drei Menschen für ihn. Ich hab’s nicht so mit Gesichtern.

Vor mir lag ein Kind auf dem Fußboden und spielte mit einem Auto. Seine Mutter war Polin. Sie sprach nur polnisch mit dem Kleinen. Als eine Durchsage kam und der Junge fragte, was sie denn gesagt habe, antwortete die Frau wieder auf polnisch. Der Junge fragte daraufhin nur: »Und was heißt das auf meiner Sprache?« Da hätte ich ihn direkt wegklauen können. Endlich kam er an. Chris heißt er. Wir fuhren erst mal nach Hause um sein Gepäck abzuladen. Später erfuhr ich, dass er von mir – beziehungsweise meinen Flesh Tunneln – geschockt war.

Fix ging es dann aber weiter in die Stadt. Erst ins Café Gnosa, mit leckerem Kuchen und fremden Leuten an unserem Tisch. Weiter dann über die Mönckebergstraße auf einen Glühwein zum Jungfernstieg. Es war enorm neblig. Man war quasi blind. Übers Rathaus dann zu Abercrobie&Fitch. Zum ersten mal war ich da drin. Furchtbar. Als Disco großartig. Als Klamottenladen nicht. Wir verliefen uns da drin, es war dunkel und stylisch. Aber ich hatte nicht im Geringsten Lust etwas anzuprobieren. War auch nicht mein Stil. Und teuer. Die Elchboxershorts waren allerdings ein Highlight. Unser Tipp aber: Tagsüber Klamottenladen und abends Disco. Einfach die Klamotten wegsperren. Wäre eine gute Einnahmequelle!

Langsam machten wir uns aber auf den Rückweg, mussten ja noch was essen und abends zu Kevins Theaterstück. Es gab Pizza. Wir mussten sie uns zwar schnell reinstopfen, weil die Zeit nicht reichte, aber passte alles. Am Sprechwerk trafen wir uns dann mit Claudia und setzten uns in die erste Reihe. Das Stück war gut. Nur mit Hockern und zwei Kleiderständern inszeniert. Dramatisch. Spannend. Witzig. Hatte was. Und Kevin hat sich im Vergleich zum letzten Stück enorm verbessert. Und sah in seinem Blaumann richtig richtig gut aus.

Nach einem langen Applaus und einer kurzen Unterhaltung ging es auf den Kiez. Kevin blieb daheim. Claudia kam mit. Die Homoparty im Dock’s war geplant. Vorher aber noch etwas entspannter. Bartour über den Hamburger Berg. Mit Mexikaner, Saurem, Schlumpfwichse und Maracujalimes. Ich fand sie lecker. Später gab es dann noch Mojito und Apfel-Himbeer-Crumble. Dann verabschiedete Claudia sich. Chris und ich verschwanden dann schlussendlich in der Wunderbar. Vorher ging es aber noch – wie mit fremdem Besuch so üblich – in die Boutique Bizarre. Dort war man wieder mal etwas angewidert und geschockt.

Als wir ein Voltspielzeug sahen, was man sich irgendwo reinschieben konnte, fragte Chris, ob das mit normalem Steckdosestrom funktioniere. Ein netter alter Herr mit Cowboyhut erwähnte dann so beiläufig, als wisse er mehr als nur gut darüber bescheid, dass das maximal 6 Volt wären, ansonsten wäre das ja lebensgefährlich. Auch das kommt mir irgendwie viel vor. Desweiteren gebe es nur eine Öffnung, wo man das Ding reinschieben könne. Getanzt wurde in der Wunderbar irgendwie nicht. Aber man stand an der Bar und unterhielt sich, so gut es eben ging. Stellte fest. Begutachtete. Und trank etwas.

Später dann gingen wir zum Fischmarkt. Leider war da noch nicht so viel los, da wir ja Winter haben. Da fängt der immer später an. Mist. Aber es gab guten Cappuccino von einem sehr fröhlichen Jamaikaner. Der war witzig und morgens schon so super drauf. Naja, länger hätte ich aber auch nicht durchgehalten. War schon sehr früh. Wir wanderten bis zu den Landungsbrücken (nachdem wir ein Fischbrötchen aßen) und fuhren Heim.

Sonntag standen wir recht moderat auf und aßen die Pizza vom Vortag, ehe Chris ein paar Geschenke verteilte. Ein Paket Nürnberger Lebkuchen für Kevin und eine Wis’n-Hits-CD und ein Mini-Bairisch-Wörterbuch für mich. Kevin machte superleckere Kürbissuppe, ehe er zu seiner Theaterprobe verschwand. Wir huschten ins Café kostbar in der Schanze und tranken einen Kaffee. Chris aß dazu noch einen russischen Zupfkuchen.

Es verschlug uns zu den Landungsbrücken, wo wir unseren Weinberg bestaunten. Durch den alten Elbtunnel ging es auf die andere Seite der Elbe für einen sehr schönen Ausblick. Zurück wieder durch den Elbtunnel um dann mit der Fähre – es wurde schon dunkel – zum Dockland zu fahren. Dort liefen wir etwas rum, ehe wir wieder zurückfuhren. Der Rückweg gestaltete sich als sehr lange, irgendwas war da dramatisches vor uns auf dem Wasser passiert. Es war windig. Es war kühl. Aber nicht bewölkt.

Abends kochten wir was leckeres: Hähnchen mit Pilzsahnesoße. Dazu gab’s Reis. Wir sahen fern, spielten Wii und machten es uns gemütlich.

Am nächsten Morgen kamen wir nur schwer bzw. spät aus dem Bett. Holten uns dann aber ein Franzbrötchen am Hauptbahnhof und frühstückten dann Riesenpizzen im Vapiano. Dazu gab es noch eine Erdbeer-Mascarpone-Creme. Die HafenCity wurde besichtigt, es ging durch die Speicherstadt, an der Katharinenkirche und kurz am Michel vorbei zu den Krameramtsstuben.

Es regnete. Man kehrte bei Starbucks ein. Später holten wir dann Kevin von der Arbeit ab, um mit ihm und einigen seiner Kollegen noch einen Glühwein zu trinken. Die beiden aßen noch Fish&Chips. Wir trafen uns mit Sandra im Einstein. Ihre Haare sind echt cool. Schwarz-Pink. Es war wie gewohnt sehr lustig mit ihr. Zuhause schauten wir noch etwas fern (Switch Reloaded und Old Ass Bastards). Anschließend huschten wir alle ins Bett.

Dienstag war wieder das Schanzenviertel interessant. Wir kehrten im Chakra ein und aßen zu Mittag. Eigentlich war es Frühstück, aber eben zur Mittagszeit. Dann holten wir Tee in Altona, ehe ich mich von Chris verabschiedete, um zu meiner »Lerngruppe« zu fahren. Im Endeffekt tranken wir nur Tee und redeten etwas. In der Zeit traf Chris sich mit Kevin bei Balzac.

Später trafen wir uns dann am Rathaus wieder, kauften kurz etwas ein und machten dann gefüllte Paprika. Wir schauten meinen absoluten Lieblingsfilm: Pan’s Labyrinth. Chris wirkte nicht begeistert. Die blutigen Szenen schien er auch nicht so zu mögen. Es gab Schwarztee.

Mittwochmorgen war Chris mit jemandem verabredet. Die Zeit wollte ich zum lernen nutzen, war jedoch nur von kurzer Dauer. Hat wohl nur »Hallo« gesagt. Es ging ins Nagel am Hauptbahnhof. Wir teilten uns ein Nagel-Bier und frühstückten riesige Portionen. Ich hatte Bauernfrühstück. In der Toilette dort gibt es ein Kotzbecken. Es gab Franzbrötchen.

Ab ging es ins Hamburg Dungeon. Das war ganz nett. So mit mitmachen. Zumindest etwas. Ein bisschen Geschichtliches kam auch noch dazu. Am besten fand ich die neue Attraktion: das Zuchthaus. Das war so ein leichter Spannungsmoment. Weil es Laut war, dann leise. Blitzlicht. Dunkel. Geräusche. Geflüster. Echt gut. So müssen sich die Spielzeuge in »Saw« fühlen.

Zur Beruhigung brauchten wir erstmal einen Kaffee bei Balzac. Dann einen Glühwein bei Santa Pauli. Dort standen wir dann am Stand der Wunderbar, unterhielten uns mit Kevin – einem fremden Kevin hinter der Bar – und tranken Grog bzw. Glühwein. Zwischendurch kam mein Kevin noch hinzu, ehe wir den Heimweg antraten. Wir kochten Lachs mit Erdnusssoße und Nudeln. Das war lecker. Es gab noch Profiterol, Wein und Wii.

Am Donnerstag frühstückten wir endlich mal zuhause. Kurz darauf gingen wir im Holthusenbad schwimmen. Also schwimmen ist jetzt übertrieben, wir lagen da so im Wasser. Aber wir unterhielten uns gut. Privat und persönlich, quasi wie Vertraute. Ganz gut, wenn man nicht ständig auf’s Handy starren kann, dann muss man sich ja unterhalten. Aber das war wie gesagt ganz spannend und gut.

Wir aßen noch ein Franzbrötchen, gingen noch mal ins Gnosa um diese tolle Marzipantorte zu essen. Um noch mehr zu essen, gingen wir dann auf den Weihnachtsmarkt am Rathaus und aßen ein Handbrot zu unserem Glühwein. Zuhause war auch Kevin mal wieder dabei, wir spielten Wii, tranken Wein und wetteten um Dinge. Je nachdem, wer halt gewann. Es wurde sehr spät. Vollkommen erschöpft schliefen wir dann aber doch irgendwann früh morgens ein.

Das Freitagsfrühstück gab es ebenfalls wieder zuhause. Aber irgendwie wollten wir beide danach noch nicht direkt los. Man fläzte sich also noch etwas auf dem Sofa rum und schaute Nachrichten. Das Chakra hatte leider geschlossen, also ging es in die Lange Reihe zum Italiener. Der hatte gute Lasagne. Danach ging es auf den Michel, da oben war es vielleicht zugig. Aber das Wetter war toll. Der Weg nach oben (445 Stufen) recht anstrengend.

Runter ging es aber mit dem Fahrstuhl. Kurz auf den Weihnachtsmarkt in die Krypta, dann zu Coffee Fellows am Hauptbahnhof. Dann fuhren wir aber heim, um uns noch etwas zu entspannen. Später ging es dann mit Kevin auf den DOM. Es gab heißen Caipi. der die Stimmung leider merklich abkühlte. Irgendwie war da so eine leichte Spannung zwischen Kevin und Chris, das war nicht so schön. Trotzdem ging ich noch mit Chris auf den Kiez. Kevin fuhr heim.

Auf dem Kiez angekommen, suchten wir die Herberthstraße. Das war was. Ich war ja noch nie da. Supersauber ist es da. Und beleuchtet. Recht schicke Straße. Aber wie im Tierheim. Alle klopfen gegen die Scheibe und winseln. Sie wollen Beachtung und dass jemand sie mitnimmt. Naja. Jedenfalls wurde ich noch nie so häufig »Süßer« genannt. Auf den Schock tranken wir erstmal ein Guinness im Murphy’s.

Über Kentucky Fried Chicken ging es dann zur Wunderbar. Dort war es noch sehr leer. Man trank etwas und suchte sich einen Platz zum Beobachten. Man sah einige spannende Leute. Die einen konnte man angucken, die anderen wollte man lieber nicht angucken, wie das eben so ist. Wir trafen noch Chris‘ Verabredung von Mittwoch. Tranken Gin-Tonic und gingen dann aber trotzdem irgendwann – sogar recht früh. Vorher aßen wir aber noch eine Hans-Albers-Pizza, warteten aber neben so sehr komischen Betrunkenen.

Am Samstagmorgen standen wir früh auf, saßen kurz rum, Chris packte und ich brachte ihn noch zum Flughafen. Wir verabschiedeten uns und schrieben vor dem Flug noch länger über WhatsApp. Es war ganz witzig mit ihm. Recht aufschlussreich. Oft verwirrend. Aber nett. Ich könnt mir vorstellen, ihn nochmal einzuladen.

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