Foto von Todd Quackenbush

Derbe verrückt. Da haben wir eine Last-Minute-Anfrage für eine Woche bekommen. Bruno hieß er. Mediengestalter, der jetzt nicht mehr gestaltet sondern plant und auf diversen Vorstellungsgesprächen sein sollte. Er schrieb uns und eine Stunde später wollte er da sein.

Ich fand ihn jedenfalls komisch, wir haben ihn von der U-Bahn abgeholt, seine vorherigen Hamburg-Hosts, hatten anscheinend familiäre Probleme. Er hat so viel geredet, dabei irgendwie nix gesagt und es wirkte auch alles wie Wunschdenken. Er sprach nur Englisch, weil er frisch aus Brasilien hergekommen sei und nun einen Job suche. Jedenfalls war er den ganzen Tag zuhause, machte nix außer unser Essen zu essen und unseren Kaffee zu trinken. Ach ja und er chattete auf Facebook und so.

Den einen Tag waren Kevin und ich im Baumarkt, da rief er uns an, um uns mitzuteilen, dass er diese Nacht mit seiner Freundin aus Berlin, die er heiraten wolle, in einem Hotel verbringen würde. Dann war er wieder bei uns.

Er hat mich tierisch genervt, ich hab mich nicht wohlgefühlt mit dem im Haus. Hab auch noch momentan Berufsschule, das heißt, ich war sehr früh zuhause. Jedenfalls fühlte er sich den einen Tag wohl nicht so gut, pennte etwas, ich machte Essen, da wachte er auf und fragte mich auf Deutsch, ob ich ihm eine leere Wasserflasche auffüllen könne. Ich war ja schon skeptisch und genervt, das hat mich aber noch skeptischer gemacht, sodass wir dann mal ein bisschen recherchierten und Spannendes rauskam.

Er wohnt seit 16 Jahren in Köln, hat seine Ausbildung abgebrochen, hat keine Referenzen, sucht einen Job und wurde von seinem Freund aus der Wohnung geschmissen, sodass er nun obdachlos war. Ganz verrückt war auch die Geschichte, dass er in einer brasilianischen Bar arbeite, dem Funky Pussy Club. Zu doof, dass ich den Besitzer durch meinen Fotojob kenne und ihm das alles nicht abkaufte. In dieser Zeit war er bei keinem Vorstellungsgespräch, das eine solle angeblich auf 22 Uhr verschoben worden sein, noch was, was komisch wirkte.

Schlussendlich haben wir ihn rausgeschmissen, haben ihn abends geweckt (wir waren im Schlafzimmer), und ihn damit konfrontiert, ich konsequent auf Deutsch „kann es sein, dass Du uns anlügst?“ Er vollkommen perplex, fing an zu schwitzen, versuchte sich zu verteidigen und rauszureden, aber ich war hartnäckiger und er hat uns die Wahrheit erzählt.

Ich wollte ihn diese Nacht noch rausschmeißen, er durfte aber noch duschen, verkroch sich ewig im Bad, suchte dann noch eine Schlafmöglichkeit (sein CouchSurfing-Profil wurde inzwischen gelöscht), bis Kevin irgendwann meinte, er könne noch eine Nacht bei uns schlafen. Die Tür schlossen wir ab, am nächsten Morgen frühstückten wir noch und ich nahm ihn mit raus. Spannende Story, zum Glück nicht arg dramatisch.

CouchSurfer aus… Brasilien… Köln… irgendwie so…
Wie gut hat Dir der Artikel gefallen?

Leave a Reply