»Oh mein Gott, was wird das?«, fragte ich mich, bevor wir auf Kampnagel ankamen. Eine lange Busfahrt mit aggressiven Busfahrern, die einen an der Haltestelle fast umfahren und vielen Menschen im Bus wartete auf uns. Doch das sollten wir alles überstehen, schließlich waren wir schon die Deichkindkonzerte gewohnt. Endlich angekommen waren wir dann etwas verwirrt. Denn am Eingang neben der Bar gab es ein DJ-Pult mit ’nem DJ, der aussah wie Daft Punk, also mit riesigem Astronautenhelm und silberfarbenem Anzug. Sehr strange. ein bisschen weiter lasen Ferris MC und noch zwei weitere Deichkind-Mitglieder, die man aufgrund ihrer Masken nicht erkennen konnte, eine verwirrende Geschichte in der Dauerschleife vor, die man aufgrund der lauten Musik auch gar nicht richtig verfolgen konnte. Aber am coolsten war das Event in der hintersten Ecke: Müllsäcke zum selberbasteln! Wer Deichkind noch nie gesehen hat, der wird sich jetzt fragen »häää? Müllsäcke zum selberbasteln?« Und ja, Deichkind tragen gerne mit neonfarbenem Panzertape verschönerte Müllsäcke, und eben diese konnte man sich dort selbst zusammenbasteln.

Um 20:00 war Einlass. Um 20:30 ging’s los. Wie das Konzert. Weißes Tuch vor der Bühne. Man sieht nur die leuchtenden Deichkindtetraederhüte. Gesungen wurde nicht viel. Gesprochen auch nicht. Die Bühne war mit viel Müll »dekoriert«. An der Decke über den Stehplätze hing eine Müllkralle voller Müllsäcke. Die wurde zum Ende hin auch geöffnet. Ferris MC verglich Deichkind mit einer Toilette, die genauso ist, wie man sie sich wünscht. Es wurde reflektiert, wie alt die Fans sind und was sie so an Deichkind mögen.

Die typischen Tourelemente wie die Hüpfburgen, die Trampoline oder die zerfetzenden Daunenkissen waren auch dabei. Es gab eine Modenschau, bei »limit« hüpften einige Leute an großen Gummibändern umher. Der Tod ihres Managers wurde reflektiert. Und der Typ, der jedes Mal auf Konzerten mit dem Schlauchboot über die Menge fährt, fuhr auch gestern wieder. Die Tribüne hoch, über uns drüber und auf der anderen Seite wieder runter. Erstaunlich, dass das so klappte. Deichkind machten sich auch Gedanken darüber, was mit ihrer Showbühne Zitze geschehen könnte, wenn sie nicht mehr gebraucht würde. Da kamen dann so Ideen wie „Neues Dach der Elbphilharmonie“ oder »Gemütliches Café« heraus.

Als ich rauskam dachte ich dann nur „Oh mein Gott, was war das?“ Denn im Endeffekt habe ich nichts verstanden und fand es auch nicht weltbewegend. Es war Deichkind mal anders interpretiert. Ruhiger und im Sitzen, was wohl auch das Problem war, denn Deichkind bedeutet Action, und Action gab es in dieser Diskurs-Operette einfach nicht, die Massenbewegung bei den Stehplätzen war einfach viel zu verhalten!

Deichkind in Müll: eine Diskurs-Operette
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