Vom Glühweinstand auf dem Hamburger Weihnachtsmarkt schlenderten wir durch den Nieselregen und düstere Gassen zum Großmarkt. Wir wollten Enter Shikari sehen. Die spielten dort im Mehr! Theater.

Ausverkauft war das Konzert nicht. Das wurde uns bereits am Eingang bewusst. Kaum eine Schlange, wir waren schnell in den großen Hallen und verstauten unsere Jacken in unseren Glitzerturnbeuteln. Das Problem daran: So durften wir nicht zur Bühne. Also: Jacken wieder raus und neckisch um die Hüften gebunden.

Vor der Bühne marschierten wir kurz von der einen Seite der Halle zur anderen, um den Merch-Stand zu begutachten. War nicht viel Cooles dabei. Leider. Aber das Türkis des neuesten Albums »The Spark« allerdings war wunderschön und reichlich vertreten. Dennoch konnte ich damit nicht so viel anfangen.

Mit einem Bier in der Hand setzten wir uns – ja, tatsächlich, wir setzten uns – in eine der vordersten Reihen. Hach. Jetzt konnte das Stück beginnen. Und so geschah es auch. Überpünktlich betraten die Astroid Boys die Bühne. An sich keine schlechte Band, aber irgendwas fehlte mir. Die standen nur da und spulten ihr Ding ab.

Das ganze Chaos im Hintergrund störte aber auch ein wenig. Immerhin standen da drei Schlagzeuge und Bühnendekoration von zwei Bands. Da ist schon einiges los. Auf Platte sind die Astroid Boys bestimmt gut, aber live müssen sich definitiv noch ein paar Schippen drauflegen.

Nach einer wirklich kurzen Pause ging es schon weiter. Lower Than Atlantis. Da habe ich mich auch ziemlich drauf gefreut, denn die kannte ich vorher schon. Der Auftritt konnte einiges reißen. Die Lichtshow war sehr hell und hektisch. Aber passend. Nach den dreißig Minuten, die die Briten auf der Bühne standen, fragten Vivi und ich uns, ob das nicht doch eine andere Band namens »Lower Than Atlantis« war. Denn keiner von uns hat auch nur ein Lied wiedererkannt. Aber alles andere passte. Wir waren wohl einfach nur nicht auf dem neuesten Stand.

Plötzlich gesellte sich noch Mark zu uns. Der war ganz nett. natürlich unterhielt man sich aber nicht viel. War ja laut. Der Sound im Mehr! Theater ist übrigens echt nicht der beste. Da könnten die Betreiber sich gerne noch was zur Verbesserung der Akustik einfallen lassen. Die unterbietet teilweise sogar die der Alsterdorfer Sporthalle!

Aber: die Stühle sind dafür umso bequemer! Dass ich auf so einem Konzert sitzen würde, hätte ich auch echt nicht gedacht. Und was mir aufgefallen ist: sobald man sitzt, fühlt man sich viel stärker verpflichtet zu klatschen. Das gebietet wohl einfach die Höflichkeit durch dieses Theater-Gefühl.

Der Bühnenaufbau von Enter Shikari gefiel mir sehr gut. reduziert. Ein runder Bildschirm in der Mitte der Bühne, mit dem sehr viel gespielt wurde. Passte sehr gut. Unaufdringlich und trotzdem sehr präsent. Ein Radargerät informierte uns über das Kommen von Enter Shikari! Natürlich begann es mit »the spark«.

Es war laut. Es war bunt. Es war toll. Sie spielten mit den Lautsprechern. Heißt genauer gesagt: es wirkte so, als würden die Töne durch den Raum fliegen. Ein akustisch-dreidimensionales Konzert also. Selten so erlebt. Aber sehr spannend! Das Publikum hatte auf jeden Fall auch Spaß. Ich hatte häufiger das Bedürfnis dort nach vorne einfach in die Menge zu springen.

Sie spielten alle guten Lieder. Vier davon in einem schnellen Set: vier Lieder in acht Minuten. Gefiel mir gut. »Arguing with thermometers« war der wohl längste Song. Der ist aber auch wirklich gut. Sogar ein ruhiger Part war mit von der Partie. Dafür saß der zerstrubbelte Rou direkt vor uns am Piano. Da hatte ich ehrlicherweise Gänsehaut.

Es war ein wirklich gutes Konzert, bei dem dennoch der Sound hätte besser sein können. Trotzdem haben Enter Shikari wirklich viel aus den bestehenden Möglichkeiten herausgeholt. Wirklich gelungen.

Streit mit Thermometern.
4.5.00 (90%) 2 Bewertungs

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