Ich stehe an der Bar und bestelle zwei Bier. Die Bardame entspricht nicht gerade dem, was man »flink« nennt. Plötzlich legt einer seinen Kopf auf meine Schulter. Huch. Kevin grinst mich von der Seite an. Voll schön. Kevin ist der Sänger der Band Chasing Crowd. Es war Sonntag. Wir standen in dieser schummrigen Raucherkneipe Nummer 227. Hier sollte er also stattfinden. Der Local Heroes Contest. Ich war gespannt.

Chasing Crowd spielten als erste Band. Es war leer. Die Meute versteckte sich hinter dem rustikalen Thresen. Malte, der Bassist orderte vier Bier für die Band. Alle waren glücklich, dass die Biere nicht bezahlt werden mussten. Kevin freute sich wie ein Schneekönig. Sympathischer Einstieg. Ahoi.

Schnacken kann Kevin. Ein kleiner Sympathieträger ist er auch. Die voluminösere Frau im Korsett weiß wahrscheinlich, was ich meine. Sie himmelte ihn an. »Voll schön, dass ihr alle da seid!« Open your Eyes. Das Publikum schob sich langsam aber sicher – wenn auch sehr verhalten – zur Bühne vor. Die Band schlug vor, doch etwas Spaß zu haben. Auch im Publikum darf man sich an guter Musik erfreuen. Another Mistake. But you’re beauiful, just the Way you are.

Vier Jungs, zwei Gitarren, ein Bass, ein Schlagzeug und Gesang. Bier und Liebe. Wenig Schlaf. Nicht nur die Zigarette raucht. Eine Portion Mumm, eine große Prise Selbstironie, zwei Schluck Wahnsinn, ein Tropfen Wut, ein Tropfen Liebe. Das sind Chasing Crowd.

»Voll schön.« Grinsen. Funkelnde Augen. Bier in der Hand. Die Akustikgitarre wird ausgepackt. I’m tired of trying. Im tired of waiting. I’m tired of thinking, what I’m supposed to be. I’m scared of the Darkness, scared of the Night. Wirklich schön. Bluesrock. Es darf getanzt werden. Lie a Lie to me. Stimmung. Spaß. Laut. Schon vorbei.

Umbaupause. »Das war komplett improvisiert, das Lied hat gar keinen richtigen Text!«, antwortete Kevin, als ich meinte, dass das letzte Lied dringend veröffentlicht werden müsse. Respekt. Wirkte wie gekonnt. Inzwischen pappte ein neuer Aufkleber einer Contest-Band auf einem der Equipmentkoffer. Ich hörte am Abend auch was von »verkatert«.

Es folgte eine sehr junge Schul-Punk-Band namens »Alles, was uns bleibt«. Waren okay, können aber ruhig noch ein paar Jahre üben. Chasing Crowd hüpfte zu deren Klängen extatisch vor der Bühne hin und her. Irgendwann verzog sich der Pulk an Bandchaoten weiter nach hinten. Ich winkte Kevin. Die blonde Frau zwei Meter von mir entfernt dachte wohl, ich flirte mit ihr. Ähm. Nein.

Don’t Pushkin folgten zugleich. Der eine Mensch auf der Bühne, der mir Angst machte, gehörte zur Blondine. Die Band war nocht vollständig. Sie spielten trotzdem drauflos. Die waren gut. Ich schlich mich zu Kevin an die Bar und ließ mir frecherweise ein Bier ausgeben. So stand ich dann also kurze Zeit später mit Bierflasche im Schritt an der Wand und lauschte diesen interessanten Klängen. Balkanpop. Oder sowas in der Art. Am Ende sogar mit Querflöte. Ganz spannend.

Die letzte Band des Abends hörte auf den Namen »Orange Zoo«. Die größte Fanbase hatten eindeutig die. Ich hielt den Bassisten für eine Frau. War er aber nicht. Die waren ganz gut. Man wollte fast meinen, das Ding sei gelaufen. So auch Kevin: »Wir haben keine Chance.« Das Publikum wählte zwei Bands in die nächste Runde. Es gab keinen vierten Platz, da es zwei erste Plätze gab: Don’t Pushkin und Chasing Crowd. Die Euphorie war groß. Man gratulierte und freute sich mit.

Voll schön.

Lie a Lie to me.
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