Wir sitzen am Beatlesplatz und trinken noch schnell ein Bier. Waren nämlich zu früh auf dem Kiez. Marteria spielte gestern im Grünspan.

Rechtzeitig – also eigentlich – kamen wir am Grünspan an, doch die Schlange war noch ziemlich lang. Mist. Hätten wir das Bier auch hier trinken können. Marterias Plan: seine erste Tour zu wiederholen. Kleiner Club. Viele Menschen. Die Idee klang vielversprechend. Tickets waren ja auch innerhalb von fünf Minuten ausverkauft.

Genau genommen kamen wir gerade rechtzeitig rein. Eine Minute vor Konzertbeginn. Genau in dem Moment, als wir die Tür durchschritten ging es jedenfalls los. Vorband? Ach Quatsch, wozu denn. Marteria legte direkt mit Roswell los!

Es war alles todesüberfüllt, aber was will man machen, wenn man trödelt. Wir suchten uns einen Platz in den hinteren Reihen am Merchandise-Stand. Hier war es auch nicht so schlecht. Nur sehen konnten wir nicht so gut.

Aber dafür wurde man nicht die ganze Zeit hin und hergeschubst, auch gut. Kann man wenigstens ein Bier trinken. Ich häng‘ mit mein’n Freunden den ganzen Tag vorm Block. Sind das Gespött von all den Leuten. Wir sind gottverwandte Aliens! Ging gut ab. Machte Spaß. Kannte man! Kann ja auf Konzerten immer besser abgehen, wenn ich das auch kenne, was da auf der Bühne passiert!

Ich spring‘ von Level zu Level zu Level. Spring‘ von Level zu Level zu Level. Spring‘ von Level zu Level zu Level zu Level zu Level. Bis der Endboss kommt. Dann beamt Scotty mich hoch. El Presidente. Das Lied kannte ich leider nicht. Ist aber anscheinend auch vom neuen Album. Das ist ja noch gar nicht draußen!

Plötzlich stürmt Muchel – der Sänger von Abschlach! – aus der Menge. Todesvoll und -heiß ist es vor der Bühne anscheinend. Da haben wir uns in den hinteren Reihen anscheinend doch nicht die schlechtesten Plätze ausgesucht. Der Schweiß tropfte aber auch schon dezent von der Decke. Ein bengalischer Tiger fährt im Cadillac. Ist doch alles verboten! Da geh ich lieber auf Tauchstation.

Mein name ist Marteria und du bist mein Up-Town Girl, Du allein bringst mein Eisfach zum abtau’n, Girl! Marteria Girl! Blue Marlin, das ganze Geld muss weg! Huch?! Plötzlich flogen überall Marteria-Dollar umher. Wieso haben die alle welche? Ich will auch ein paar! Der ganze Club schimmert grünlich. Was kann das nur bedeuten? Natürlich: jetzt steht der grüne Helium-Ballon aka. Marsimoto auf der Bühne.

Marsimoto finde ich prinzipiell ja eher anstrengend. Ein Lied geht noch. Aber mehr auch nicht, dann wird’s nervig. Leider sang er sogar vier Lieder. Hui. Das nahm ganz schön die Luft aus der Veranstaltung. Zumindest bei uns. Einige um uns rum haben ihn natürlich abgefeiert. Okay. Die meisten um uns herum inhalierten auch fragliche Substanzen aus selbst gedrehten Zigaretten.

Alle haben ’nen Job – ich hab Langeweile! Keiner hat mehr Bock auf Kiffen, Saufen, Feiern. So ist das hier im Block, Tag ein Tag aus. Halt mir zwei Finger an den Kopf und mach: »Peng! Peng! Peng! Peng!« Uns war tooodesheiß. Wir fühlten uns zur frischen Luft hingezogen. Natürlich waren wir nicht ganz draußen, aber schon näher am Ausgang. Zwei Zugaben, dann war es auch vorbei! Ging eigentlich schnell rum, zog sich aber ab Marsimoto doch eher etwas wie Kaugummi. Schade. Hatte mich so auf das Konzert gefreut. Dachte aber auch, es könne nur geil werden. Hab’s wohl zu viel gehypet, sodass ich am Ende doch eher enttäuscht war.

Allein auf weiter Tour.
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