Es war mal wieder soweit. Das Gratishotel Jan-Kevin hatte einen weiteren Gast. Diesmal nur einen, aus Berlin. Eigentlich aber aus Bayern. Der Felix. Ein netter junger Kerl, fünfundzwanzig Jahre alt, der doch sehr verplant oder auch vergesslich ist.

Dieses Mal lief es etwas anders, denn Kevin holte ihn alleine vom Bahnhof ab, da ich arbeiten und mich im Anschluss um die Frettchen meines Dads kümmern musste. Also trafen wir uns in Barmbek, auch wenn ich in Friedrichsberg zusteigen wollte, klappte halt nicht ganz.

Zum Dank machte uns Felix zuhause angekommen erst mal bayrische Knödel. Die Küche sah aus. Furchtbar. Überall war Knödelteig. Wirklich überall. Er war auch der erste, der uns ein Gastgeschenk mitgebracht hat: türkischen Kaffee, weil das in „seinem Kiez“ wohl typisch sei, und noch ‘ne türkische Pistaziensüßigkeit. Er mache das, seit er mal bei einem CouchSurfing-Paten übernachtete und dieser ihn zur Sau gemacht habe, weil er kein Gastgeschenk mitbrachte. War ganz lecker. Jedenfalls unterhielt man sich über dies und das, aß die Knödel, die seeehr sättigten und gingen dann auch schlafen.

Am Freitag – woraus Du jetzt schließen kannst, dass Felix am Donnerstag ankam – standen wir auf, weckten Felix, der sich über unsere superdicke und supergroße Bettdecke freute, und frühstückten, eher Kevin und ich zur Arbeit und Felix zu so einem Journalistenkongress gingen. Arbeiten war eher semi, doch dann trafen wir uns abends alle wieder und gingen noch ein Bier an den Landungsbrücken trinken. Felix war begeistert, man unterhielt sich ab und zu über dieselben Dinge wie am Vortag und hatte Spaß.

Am Samstag musste Felix wieder so früh aufstehen, da der Kongress sich über zwei Tage erstreckte, doch er hielt nicht den ganzen Tag durch. Als wir ihm den Weg zur Bahn erklärten, hätten wir wetten können, dass er den Weg nicht finden würde – obwohl er den Weg schon mehrfach gegangen ist – und wir sollten Recht behalten. Abends kam er dann wieder, nachdem er wohl einen Kaffee trank und durch die Stadt schlenderte. Wir wollten eigentlich auf den Kiez, aber es regnete so doll, dass wir uns doch dazu entschlossen einen Gay-Movie – keinen Porno – zu schauen. Er hatte da so eine Seite, wo das ging.

Der Film war lustig, Felix kuschelte sich in meine Kuscheldecke, schwärmte von Manuel Neuer, von dem er sogar ein Panini-Sammelbild im Portemonnaie hat und machte sich Gedanken, weil wir eine dekadente Pizza aßen. Denn heute wollte sein Freund kommen, mit dem er seit einer Woche zusammen ist, sie sehen sich aber nur alle zwei Wochen. Außerdem wäre das ja alles doof, weil er ja demnächst nach Tel Aviv ginge, der Schwulenstadt, und sich da ja nicht durch die Gegend vögeln könne. Schade.

Naja, ansonsten war er lustig, bedankte sich iiimmer und iiimmer wieder, fand alles cool, auch wenn er nicht verstand, was man zu ihm sagte, fragte aber erst nach, nachdem er „cool“ gesagt hatte. Jaja. So war das.

Heute fuhr er dann früh wieder mit dem Zug nach Hause und wir mussten die Küche schrubben. Aber ging, war nicht so dramatisch, wie man gedacht hätte. Felix ist jemand, der ruhig wiederkommen könnte. Er war nett.

Besuch aus Berlin.

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