Sechs Jahre ist es her, da war ich zuletzt auf dem Deichbrand Festival in Cuxhaven. Nun hat es mich erneut an die Nordsee verschlagen. Mit einem guten Line Up und spannenden Aktivitäten konnte man mich locken: Alligatoah. Chefboss. Samy Deluxe mit seinem Unplugged-Set. Ein riesiger Pool. Bier. Und eine unfassbar coole Bar in Gestalt eines Hirschen.

Am Donnerstagnachmittag fuhren wir los. Über zwei Stunden dauerte die wilde Fahrt. Doch dann waren wir endlich da. Wir schleppten direkt alle nötigen Utensilien zum Bändchenzelt, da wir recht weit entfernt parken mussten. Mutigerweise ließen wir die Gummistiefel im Auto. Unser Festivalbändchen bekamen wir schnell. Der Weg zum Green Camp war dennoch beschwerlich und lang.

Jetzt aber schnell! Russkaja spielten schon und wir haben nicht mal unser Zelt aufgebaut. Die konnten wir also nicht mehr sehen. Ärgerlich. Nun gut. Der Eintritt zum Green Camp kostete uns etwas Zeit, denn unseren Zettel durften wir nur bei den netten Leuten etwas abseits des Eingangs eintauschen. Schafften wir natürlich trotzdem. Schnell das Zelt auf den Acker geworfen, ein paar Heringe in den Boden gerammt und unseren Restlichen Kram ins Zelt geballert, hetzten wir auch schon wieder los.

Denn kurz nach Russkaja spielten Talco. Die sahen wir letztes Jahr auf dem Hurricane nur durch Zufall, fanden sie aber wirklich gut! Talco steckten allerdings im Stau. Diese Nachricht erreichte uns wann? Richtig: zu spät! Wir stolzierten nämlich schon auf dem Infield umher. Gut, dann eben nicht. Fix zu Aldi um die Zeit zum Grillen zu nutzen. Denn was ist ein Festival ohne Grillgut? Genau: kein richtiges Festival!

Nebenbei gab es etwas Wein und Cider aus Dosen. Wir erkundeten das Gelände. Die Goldeimer-Flatrate durfte natürlich auch nicht fehlen. Inmitten des Green Camps befand sich der Green Circus. Ein riesiges Areal voller Zelte, drapiert um ein Lagerfeuer. Hier kamen die Leute zusammen. Tagsüber konnte man hier die verschiedensten Kurse absolvieren: Yoga, Basteln, alles, wonach einem eben der Sinn stand.

Dennoch muss ich sagen, dass das Deichbrand Green Camp eher uncool ist. Die Leute waren nicht wirklich in Feierlaune. Klar: es war sauber – das war uns auch sehr wichtig –, aber viele coole Leute, mit denen man Flunkyball spielen konnte, fanden wir leider nicht. Auf der Electric Island gab es den aggressivsten Bass, der mir je zu Ohren gekommen ist. Der ballerte ohne Unterlass bis fünf Uhr morgens. Es vibrierte alles.

Der Freitag begann mit einer Dusche. Oder zumindest etwas ähnlichem. Ich habe noch nie mit so wenig Wasserdruck geduscht. Ging erstaunlicherweise aber dennoch irgendwie. Unsere Outfits glitzerten um die Wette. Wir kauften Frühstück ein. In der übertrieben langen Schlange vor Aldi trafen wir zufällig Michelle – unsere Nachbarin vom diesjährigen Hurricane! Verrückt. Die besuchten wir nach dem Frühstück auch.

Sie zelteten auf dem Central Campingplatz. Oh mein Gott war das chaotisch hier. Wo man auch hinschaute: es brannte, es war dreckig und die Leute durchaus asozialer. Egal. Unsere Gruppe fanden wir schnell. Wir spielten Flunkyball. Anschließend durften wir noch an einem unfassbar hektischen Würfelspiel teilhaben, bei dem zwei Würfel einen Würfel jagen – oder umgekehrt. Trinken ist jedenfalls vorprogrammiert.

Chefboss durften wir nicht verpassen. Also rechtzeitig ab zum Infield! Da wir aber noch etwas Zeit hatten, wagten wir uns noch kurz in den Platzhirschen. Die coolste Bar, die ich je gesehen habe. Dieses Jahr leider zum letzten Mal auf dem Deichbrand vertreten. Hier gab es spontane Konzerte, Disco zwischen den Bands, hier war immer was los. Leider haben wir nicht herausgefunden, was wann stattfand, sodass wir dem Hirschen etwas planlos gegenüberstanden.

Chefboss waren natürlich unfassbar gut. Wir standen vorne in der Menge und feierten ordentlich mit. Alle schwitzten. Alle sprangen. Alle tanzten. Alle wedelten mit ihren Handtüchern. Es war ein Fest. Unfassbar gute Stimmung. Wie schon letztes Jahr bei Rock am Beckenrand, wo ich zufällig sogar die unglaublich sympathische Alice kennenlernen durfte. Wer bei der geilen Show keinen Spaß hat, der geht auch zum Lachen in den Keller!

Kurz zurück zum Zelt und etwas entspannen, denn abends standen noch ein paar Bands auf der To-See-List. Es ging los mit Samy Deluxe. Bevor der aber spielte, trafen wir uns mit alten Freunden am Merch-Stand und schnackten etwas. ich dachte, sie wollten Samy auch sehen. Das war aber nicht deren Plan. Daher trennten sich unsere Wege recht schnell wieder und wir suchten uns gute Plätze vor der Fire Stage – mit Sina und Gerrit, die beiden waren vor vor zwei Jahren schon mal mit auf dem Hurricane. Es ging los. SamTV Unplugged. Geil. Nachdem wir Samy letztes Jahr aus Platzmangel schon nicht sehen konnten, hat es dieses Jahr immerhin geklappt.

Erstaunlicherweise war es recht leer. Zumindest zu Beginn. Ich vermute, viele haben das Line Up nicht richtig verstanden und sich gefragt: »SamTV Unplugged? Kenn ich nicht, wer soll das sein?« Denn nach drei Liedern war es urplötzlich brechend voll. Zu uns gesellte sich ein älterer Herr, der Samy einfach außerordentlich feierte. Er hatte richtig Spaß in seiner eigenen Welt. Ich aber auch! Ein Punkt weniger auf meiner Bucket-List: Samy Deluxe live sehen.

Weiter ging es auf der Water Stage mit Bonez MC und RAF Camora. Beste Leben. Ja was soll ich sagen? Gut fand ich die jetzt nicht. Erstaunlicherweise konnte ich aber fast jedes Lied mitsingen. Das Durchschnittsalter des Publikums: achtzehn. Ghettomusik vom Feinsten. Ganz lustig. Aber »gut« ist anders. Nebenbei organisierte ich mir noch was zu essen. Natürlich ein Handbrot. Der Klassiker auf Festivals.

Und auf die Gefahr hin, dass Du mich jetzt hasst: 30 Seconds to Mars und Fettes Brot haben wir uns nicht mehr gegeben. Warum? Nun ja, Fettes Brot habe ich schon häufiger gesehen. Necim wollte die nicht sehen, von daher war das klar. aber 30 Seconds to Mars sahen wir letztes Jahr schon auf ihrer Monolith Tour in Hamburg. Es war ein gutes Konzert aber es hat mich schon sehr stark gestört, wie sehr Jared Leto sich selbst feiert.

Bis hier hin war das Wetter unübertroffen gut! Der Samstag hingegen war durchwachsen. Zunächst schien auch hier das Wetter überragend. Wir frühstückten, besuchten Michelle & Co. und sprangen in den eiskalten Pool. Der war recht dreckig. Gut, es war natürlich auch sehr staubig. Einmal an die Kälte im Pool gewöhnt, war es aber auch wirklich angenehm! Ewig konnten wir hier aber nicht verweilen, denn wir waren mit Sina und Gerrit auf dem Wohnmobilplatz verabredet. Wir brachten Bier mit. Acht Dosen. Für Flunkyball.

Funfact: dort selbst existierte zwar Bier, das war allerdings sehr gut verstaut im verschlossenen Van der Nachbarn. Der Schlüssel dazu lag nur ebenfalls im Van. Ergo: wir spielten zwei Runden und saßen dann auf dem Trockenen. Halt nein, das stimmt so auch nicht, denn es fing richtig doll an zu regnen und zu gewittern. Das Gewitter zog weitestgehend an uns vorbei. Der Regen nicht. In einer regenberuhigten Phase stratzte ich los, um Nachschub zu organisieren.

Der Weg war lang und beschwerlich. Der Wind peitschte mir den Regen ins Gesicht. Gleichzeitig blies er mir ständig die Kapuze vom Kopf. Bei Aldi angekommen musste ich mit Bedauern feststellen, dass mir der Zutritt verwehrt blieb. Warum? Aus Sicherheitsgründen. Könnte ja sein, dass der Blitz dort einschlägt. Zum Glück war die Wartezeit nur von kurzer Dauer und ich packte ein, was ich tragen konnte. Zurück am Zeltplatz spielten wir weiter Flunkyball. Die Nachbarn rutschten über eine Plastikplane.

Darth Vader besuchte uns – es stellte sich heraus, dass es der verrückte Kerl war, der während des Regens die ganze Zeit in Badehose mitten im Feld saß. Die Nachbarn bezogen uns irgendwann auch mit ein und es war eine illustre Runde. Funfact: als wir uns auf den Weg zu The Kooks machten, stellten wir fest, dass wir die verpasst hatten. Nicht nur das. Die folgende Band – Two Door Cinema Club – ebenfalls! Tja. Das nenn ich mal Pech. Oder Dummheit. Egal. Wir geben einfach dem Regen die Schuld! Das ist das Einfachste.

Und schon war Sonntag. Die Zeit hier verflog irgendwie ziemlich schnell. Das Wetter zeigte sich wieder von seiner besten Seite! Wir räumten das meiste bereits zusammen, damit wir später nicht mehr so viel zu tun hatten. Ein Frühstück gönnten wir uns auch noch. Unseren Müllsack gaben wir ab. Wir brachten die ersten Dinge zum Auto, waren also am frühen Morgen schon super produktiv!

Dringend sehen wollte ich Swiss & Die Andern. Mittags auf der Fire Stage. Wir sicherten uns einen guten Platz etwas abseits der pogogefährdeten Zone und harrten der Dinge. Da waren sie, die Hamburger Jungs. Mit einer interessanten Show. Wirkte dilettantisch-sympathisch. Weiß aber ehrlicherweise nicht, ob die mir live besser gefallen als auf Platte oder nicht. Bin bisher zu keinem Ergebnis gekommen. Macht auch nix. Gut war es allemal!

Unser Entschluss stand nun fest: wir fahren nach Alligatoah heim. Irgendwie gefiel uns der Gedanke morgens im eigenen Bett aufzuwachen, ohne die ganze nacht von einem Megabass durchgeschüttelt zu werden. Also brachen wir alle Zelte ab und brachten die restlichen Dinge ebenfalls zum Auto, ehe wir uns wieder zum Infield begaben. Hier spielten nun Madsen! Gewohnt gut. Erstaunlich, dass ich mir die Jungs überhaupt noch anschaue, obwohl ich die schon unzählige Male live erlebt hab. Spricht für die Band!

Unser Programm wurde von Cro unterbrochen, der auf der Water Stage sein Bestes gab. Doch es reichte nicht. Damals fand ich den ja wirklich gut, inzwischen bin ich aber der Meinung: Er hat seinen Zenit überschritten. Fand die ganze Show unfassbar langweilig. Ohne Pepp. Nur langsame Lieder. Hätte gerne was stimmungsvolleres am letzten Festivalabend gehört. Das Bühnenbild war aber ganz schön. Da wir von Cro alle nicht wirklich überzeugt waren, sicherten wir uns schon mal gute Plätze an der Fire Stage.

Hab bei Alligatoah noch nie so gut gesehen. Nicht mal bei seiner Show im Stadtpark. Und da stand ich wirklich weit vorne! Das Hotel Kalliforniah öffnete seine Pforten für uns. Alter Schwede, was der da aufgefahren hat. Für so ziemlich jedes Lied hatte er eine völlig neue Kulisse am Start. Die Lieder gewohnt provokant mit unfassbar viel Wortwitz. Ich fragte mich, ob der Herr eine Schauspielausbildung hat. So wie der sich artikuliert und bewegt ist das sehr naheliegend. Es war ein richtig gutes Konzert! Ich hatte wirklich Spaß!

Alligatoah zählte durchaus zu meinen Highlights des Festivals. Chefboss haben mich auch wieder einmal stark begeistert. Genauso wie Samy Deluxe. Ich bin eh ein Fan von diesen MTV Unplugged Geschichten. Es war ein gutes Festival, bei dem man so unglaublich viel machen kann, dass man mit den Möglichkeiten fast überfordert ist. Bei einem guten Line Up komme ich sehr gerne wieder!

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