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»Corona!« – »Das ist das verbotene Wort heute Abend!« Willkommen bei Alligatoahs Paketlieferdienst im klassischen Gewand. Sendungsverfolgung inklusive. Akkordarbeit at it’s best beim Vor Deiner Tür Open Air im Cruise Inn Steinwerder.

Mein erstes Konzert seit zwei Jahren. Man war ich aufgeregt. Wusste gar nicht mehr, wie das überhaupt so abläuft. Aber natürlich hab ich mich gefreut wie Bolle. Wenn das Hurricane schon ausfällt, dann kann man ja wenigstens ein Open Air mit vernünftigem Hygienekonzept mitnehmen.

Zum Glück informierte ich mich vormittags nochmal über die Bedingungen des Konzerts! Denn da hab ich zufällig rausgefunden, dass ein Shuttle von der S-Bahn-Station Veddel eingerichtet wurde. Großartig! Der öffentliche Nahverkehr im Hamburger Hafen ist ja in der Regel nicht so super organisiert. Also am Hauptbahnhof noch fix einen Schnelltest gemacht und ab ging die wilde Fahrt in den Süde Hamburgs.

Es war das erste Konzert der Open Air Reihe Vor Deiner Tür. Die Location ist natürlich schon phänomenal! Zwischen den ganzen Hafenkränen. Umringt von Wasser. Während des Sonnenuntergangs. Man könnte fast von romantischem Ambiente sprechen. Für Alligatoahs Verhältnisse war die Bühne erstaunlich klein. Kein Schnickschnack. Kein Bühnenbild. Nichts. Einfach nur eine Bühne.

Der Einlass verlief sehr organisiert. Ich war erstaunt, dass sich so ziemlich alle an die Abstands- und Masken-Regeln hielten. Auch wenn die Kontrolle jedes einzelnen ein recht hoher logistischer Aufwand war: Mit der Luca-App einchecken. Ticket einscannen. Coronatest vorzeigen. Taschen kontrollieren. Aber das nimmt man natürlich sehr gerne in Kauf, wenn’s dafür mal wieder etwas Kultur gibt.

Das Publikum wurde in zwei Bereiche aufgeteilt. Es gab feste Sitzplätze. Alle mit ausreichend Abstand. Auch ein Wegesystem wurde konzipiert. Ich fühlte mich gut aufgehoben. Unsere Plätze waren super: Siebte Reihe. Mittig. So einen guten Blick hatte ich bei einem Konzert womöglich noch nie.

Euphorie entflammte in mir. Endorphine durchströmten meinen ganzen Körper. Ein Cocktail aus Glücksgefühlen braute sich in mir zusammen. Wie hab ich das vermisst! Einer der seltenen Wohlfühlmomente der vergangenen Monate. Es konnte nur gut werden. Mit einem Bier in der Hand nahmen wir unsere Plätze – da ging’s auch schon los.

Esther Graf als Support Act für Alligatoah. Der Name sagte mir so akut erst einmal nichts. Aber das erste Lied kannte ich direkt. Warum? Das war mir schleierhaft. Sie klärte es aber sehr schnell auf: Sie ist die, mit der Alligatoah schlafen will. Genauer gesagt: sie featured Alligatoahs neueste Single! Und da hat er sie halt direkt mit auf Tour genommen.

Du kannst sagen, was Du willst, aber die kann was. Gefiel mir gut. War so entspannte Feelgood-Musik. Poppiger Sprechgesang, den man sich gerne anhört. Perfekt für ein Festival, ein Open Air, einen tollen Tag mit Freunden im Stadtpark. Es fühlte sich gestern einfach an, als wäre alles wie früher. Corona hab ich komplett ausgeblendet. Das war mal ganz angenehm.

Viele Lieder spielte Esther nicht. Das reichte aber, um sie meinen Spotify-Favoriten hinzuzufügen. Die Pause war kurz. Das Bühnenbild wurde nicht spektakulärer: ein weißes Banner im Hintergrund. Fünf Stühle. Ein Paket im Vordergrund. Das war’s. Passt aber perfekt zur Show: reduziert. Genau wie die Musik.

Vier Streicher betraten die Bühne. Sie spielten einen echt guten Song – er kam mir bekannt vor, aber ich weiß leider nicht, welcher es war. Alligatoah kam verspätet hinzu. Gewohnt unterhaltsam. Alle im UPS-Outfit. Jetzt ergab das Paket auch Sinn. Irgendwer steckte da doch bestimmt auch drin. Das steht da ja nicht einfach nur so.

Die ganze Show gefiel mir. Gefühlvolle Akkorde. Live-Band? Fehlanzeige. Alligatoah setzt diesen Sommer auf das Gregor Schwellenbach Streichquartett.  Das Ergebnis: ein unvergleichlich gutes Akustik-Set! Das ganze Konzert wirkte trotz des großen Abstandes zueinander dadurch fast intim. Eine echt schöne Atmosphäre!

Wenn ich ehrlich bin, würde ich Alligatoah auch nicht als Musiker bezeichnen. Eher als Entertainer. Nicht nur musikalisch denkt er sich immer neue Dinge aus, mit denen man eigentlich nicht rechnen würde nein! Nebenbei begeistert er das Publikum auch mit einer erfrischenden Show zwischen den Songs. Die Show besteht zwar nur aus Palaver, aber mit so viel Wortwitz, das kannste Dir nicht ausdenken. Der Kerl ist einfach ein Wortakrobat.

Das Paket hat sich inzwischen einen neuen Platz gesucht. Das konnte eigentlich nur Esther sein, die auf ihr Duett mit Alligatoah wartet. Wir waren gespannt. Zunächst zelebrierten wir an diesem Abend allerdings das Sitzen! Denn beim Sitzen ist man sehr gut angebunden: der Weg zum Stehen ist genau so kurz wie der Weg zum Liegen. Sitzen ist einfach toll. Alle Gassenhauer und Evergreens haute er nacheinander raus.

Nach einer Tanzeinlage des Pakets war jedoch klar: es war nicht Esther! Denn die kam einfach so auf die Bühne. Verdammt. Wer war in dem Paket? In diesem Paket, von dem Alligatoah  inzwischen verfolgt wurde. »Sendungsverfolgung« nennt man das wohl. Die Nacht legte sich über das Cruise Inn. Das Konzert neigte sich dem Ende entgegen. Es wird für immer ein Geheimnis bleiben, wer sich im Paket versteckt. Wir sollten es jedenfalls  nicht erfahren. Schade.

Ich hätte noch deutlich länger durchgehalten. Auch wenn mir ziemlich kalt war – eine kurze Hose war nicht die klügste Idee, wenn man sich nachts am Hafen rumtreibt. Hoffentlich gibt es ein Live-Album zu dieser Tour. Denn von diesen Songs im komplett neuen Gewand war ich echt begeistert. Das war ungewohnt. Und hat echt Spaß gemacht! Mein Highlight: »fick ihn doch« in einem Stil, der an die Musik der 40er Jahre erinnerte. Toll. Einfach nur toll.

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