Sofi Tukker. Ein Dance-Pop-Duo aus New York verirrten sich am 10. September mit ihrer »Treehouse« World Tour ins Docks. New York. Rio. Hamburg. Es war ein grandios ekstatischer Abend ohne Rücksicht auf Verluste!

Ich schnappte mir Lea. Gemeinsam feierten wir zu wirklich guter Musik. Wie kamen wir überhaupt darauf, uns die live zu geben? Nun ja, bekannt wurden Sofi Tukker wohl dank der iPhone-Werbung. Denn ihr Song »best Friend« lief dort lange Zeit rauf und runter! Zusätzlich tauchten sie häufiger mal in unserem Mix der Woche auf Spotify auf. Und wir fanden das alles ziemlich cool!

Mit einer eisgekühlten Guinness-Dose in der Hand standen wir vorm Docks. Es war erstaunlich leer – obwohl der Einlass bereits in vollem Gange war! Gab es eigentlich eine Vorband? Wir wussten es nicht. Aber wir sollten es herausfinden.Im Club war es ebenfalls merklich leer. Okay. Gut. Dann hat man Platz zum Tanzen. Mit einem Bier in der Hand verzogen wir uns noch für kurze Zeit in die Prinzenbar – auch als Raucherlounge des Docks’ bekannt.

Wieder zurück hat sich das Publikum schlagartig exponentiell vermehrt. Es war voll. Proppevoll. Zumindest vor der Bühne. Auf dem Rang und im hinteren Publikumsbereich konnte man sich angenehm frei bewegen. Es ging los – mit etwas Verspätung. Eine Deejane legte auf. Und die gab ordentlich Gas! Ekstase schon vor dem eigentlichen Konzert. Durchgeschwitzte Menschen wo man auch hinblickte! Es war grandios gut.

Wer das allerdings war: keine Ahnung. Sie sprach nicht sonderlich viel. Und wenn sie sprach, dann verstand man sie nicht. Aber mixen konnte sie wie eine von den ganz Großen. Sie nahm sich dafür auch ordentlich Zeit: Eineinhalb Stunden um genau zu sein. Krass. Das war lange. Das Publikum hat bereits jetzt alles gegeben. So doll konnten die doch jetzt bei Sofi Tukker gar nicht mehr ausrasten – dachte ich. Immerhin wirkte die verschwitzte Menge etwas erschöpft. Ich zumindest war bereits etwas ausgebrannt.

Nach kurzer Zeit – Lea und ich haben uns inzwischen auf den Rang verzogen – ging es endlich los! Sofi Tukker betraten die Bühne. Bäm. Da waren sie! Energia! Direkt den ersten Kracher rausgehauen, dort vor dieser Wäschespinne, die zu einem Musikinstrument umfunktioniert wurde. Ein Lichtspektakel ohne Gleichen. Akustischer Orgasmus. Die Stimmung war ausgelassen und durchweg mit positiver Energie geladen. Trotz des durchaus älteren – und teilweise sehr spießigen – Publikums.

Sofi Tukker. Das ist ein US-amerikanisches Duo, bestehend aus Sophie Hawley-Weld und Tucker Halpern. Seit vier Jahren musizieren sie sich durch die Weltgeschichte. Vor zwei Jahren warfen sie ihre erste EP »Soft Animals« in den Raum. Eine Mischung aus Portugiesisch und Englisch. Der Idee blieben sie sich treu. Ihr erste Album – »Treehouse« – erschien erst im April diesen Jahres!

Der Stil wirkt wie eine koffeinhaltige Mischung aus Bossa-Nova-Swing und clubbigem Jungle-Beat. Gepaart mit sehr viel Bass. Mit unersättlicher Energie schmettern die Drums nur so daher. Die multikulturelle Einflüsse sind deutlich spürbar: Die bolivianische Charango – ein eher unbekanntes Musikinstrument – schleichen sich genauso in die Lieder ein, wie der brasilianische Dichter Ricardo de Carvalho Duarte.

Tucker hatte ernsthaft das pendant zu meinem Outfit an: kariert. Und zwar untenrum. Als hätte ich es gewusst. Mein Outfit war obenrum mit reichlich Quadraten geschmückt. Zusammen hätten wir das perfekte Schachbrett abgegeben. Alle tanzten! Da es nicht übermäßig voll war, konnte man sich sogar den Raum nehmen, den man  zum Feiern brauchte.

Ich fühlte mich teilweise an The XX erinnert. Harmonische und einfach wohlklingende Töne zu famosen Melodien zusammengefügt. Schön. Der Unterschied: der Bass. Sofi Tukker haben deutlich mehr Subwoofer im Gepäck! Die beiden drehten teilweise auch vollkommen am Rad. Total abgespaced. Scheiß egal, was die da unten im Publikum denken!

Die Show wurde von Lied zu Lied besser. Als müssten die beiden sich erst einmal warm spielen. Awoo – Jungle-Bass vom Feinsten. Es ging Schlag auf Schlag. Ein geiler Song jagte den anderen. Und jedes Mal dachten wir uns »Ach stimmt, das ist ja auch von denen!« Beste Stimmung! I don’t give a Fuck about they – who’s they?

Baby, I’m a Queen! Sophie hat echt eine schöne Stimme. Denkt man so gar nicht, weil die ganzen Songs so hochelektronisch sind. Bei dem Lied hörte man es jedoch sehr deutlich! Tanzen ist eine Stärke von beiden. Everybody needs a Kiss. Geil. Ekstase. Alle sangen mit. Ich natürlich auch. My Body hurts – noch geiler.

Ich raste aus. Neue Lieder wurden eingestreut. Batshit – singt Tucker da wirklich? Er hat derbe die tiefe Stimme. Klang gut. Die Show, die rer abzog war gewöhnungsbedürftig. Aber unterhaltsam! Zeit für die Apple-Keynote: best Friend. Das kannte jetzt wirklich jeder. Vorbei.

Nach der Zugabe natürlich: Moon Tattoo – ein Lied mit Gänsehautfaktor, das sie nicht oft live spielen. Dann, endlich – ich habe nur darauf gewartet: Drinkee! Bestes Lied. Erinnerte mich sehr an Stoff und Schnaps von Lil’ Kleine und Ronnie Flex, wenn ich so drüber nachdenke. Geil. War einfach nur geil. Der ganze Abend war wirklich phänomenal toll! Superfantastisch!

Ich trinke und mir wird schwindlig.

4.8 (96%) | 5 Bewertungen

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