10 Jahre Captain Capa. Das ist eine lange Zeit. Dennoch schaffte ich es erst jetzt auch einmal auf ein Konzert der Bad Frankenhausener. Es wird vorerst wohl auch mein letztes Konzert der Electronic-Band sein, denn sie legen nun eine kleine – oder große – Pause ein. Das kommt mir irgendwie sehr bekannt vor.

Infrastrukturell ist das Hafenklang nicht so gut angebunden. Der Weg von der S-Bahn zum Club war beschwerlich und führte über hunderte Stufen abwärts bis zur Elbe. Zum Glück hatten wir uns im Vorfeld ein Wegbier organisiert. Hafenklang. Das war mein erstes Mal! Der Club ist klein und ziemlich abgerockt. Irgendwie dachte ich bisher immer Captain Capa wären bekannter.

Halb zehn sollte es beginnen. Irgendwann beschwerte ich mich mal, dass Konzerte seit ein paar Jahren immer so unfassbar früh beginnen. Das konnte ich nun nicht. Und trotzdem habe ich mich beschwert – eigentlich beschwere ich mich überall und zur jeder Zeit sehr gut –, denn ich habe mich an diese frühen Zeiten inzwischen gewöhnt. Der Tante Renate unterstützte die Captain Capa Jungs heute.

Er startete überpünktlich mit harten elektronischen Beats. Der Tante Renate? Den kenne ich ja auch! Ich mag es, wenn ich Bands kenne. Er kam mir auch optisch irgendwie bekannt vor. Konnte erst nur nicht sagen woher. Doch dann fiel es mir wie Schuppen von den Augen: Bratze! Der Kerl spielte doch bei Bratze mit! Audiolith, wo man auch nur hinblickte, an diesem Abend!

Leider muss ich aber sagen, dass ich Norman – so heißt der Tante Renate eigentlich – bei Bratze besser fand. Mir war das alles zu abgedreht – und mir fehlte der Gesang. Ich singe bei Liedern gerne mit. Irgendwie kommt da bei mir deutlich mehr Stimmung auf! Lustig waren aber die Anekdoten von ihm über Captain Capa, die er zwischendurch wie eine Prise Salz in die Runde streute.

Captain Capa wuselten die ganze Zeit schon zwischen dem Publikum umher, standen sogar schon mit Vino bianco auf der Bühne. Jedes mal, wenn die Tür zum Backstage-Bereich sich öffnete, roch es sehr angenehm nach Erdbeere und Vanille. Ich tippe auf eine E-Zigarette. Ungefähr eine Stunde nach dem Tante Renate ging es dann endlich los: Captain Capa betraten die Bühne!

»Berlin fainting«! Damit begann der ganze Spaß. Ich konnte gut sehen. Teilweise. Denn diese 20 Säulen rund um die Bühne waren ab und an doch etwas deplatziert, sobald die Menge sich in Bewegung setzte. Liest sich jetzt jedoch dramatischer, als es im Endeffekt war. Mal davon abgesehen, dass ich Captain Capa in erster Linie live hören wollte.

»Futurepercy«. Pacman traf auf ordentlich Bass. Der N64-Pulli, den Hannes da anhatte war nebenbei bemerkt großartig. Ich war wirklich etwas neidisch auf dieses nerdige Kleidungsstück. Dramatische Töne. Blaues Licht. Spannungsgeladene Stimmung. »Haruka«. »Back to the 80s«, könnte man auch sagen. Ein sehr atmosphärisches Gute-Laune-Nachdenk-Lied. Muss man mal gehört haben!

Vor mir turnte die ganze Zeit ein kleiner Kerl mit Cap rum. Er kannte hier den halben Club. Oder der Club ihn. Das war nicht ganz klar. Bis er auf die Bühne kam um sich bei »Rivals« einzumischen. Alles ist verbrannt, alles ist verbrannt. Über Kohlen oder Scherben Geht es weiter seinen Gang. Und weil uns hier jeder Schritt weh tut entscheiden wir uns immer für Stillstand. Ach das ist dieser Deniz Jaspersen! Der gehört auch regulär als Feature zum Song! Woh oh oh ooh, oh oh. Du weißt, sie wird Dir nicht glauben!

Indie trifft Electro: Trondheim. Ich mag Musik, die ich nicht ganz genau in ein Genre einordnen kann. Da bleibt Platz für Spekulation und Interpretation! Erst Indie, plötzlich Hardstyle. Abwechslung at it’s best. Da wird einem nicht langweilig. Da sind Wölfe und Schafe und Füchse! »Foxes«. Die ersten Zeilen zu dem Song entstanden anscheinend in Hamburg! Zwischendrin schallten immer wieder psychedelische 64-Bit Sounds durch den Raum, die ich nicht zuordnen konnte. Das waren dann die Lieder, die mir nicht so geläufig waren.

Bei »Lights and Heroes« holte Marco seine Akustikgitarre raus. Und plötzlich wurde alles schön. Das Publikum saß dort auf dem Fußboden und lauschte den sanften Klängen dieses Songs. Hier und da flackerte kurz ein Feuerzeug auf. Hafenklang. Hier spielten Captain Capa bereits mehrfach. Und ich? Ich habe es bisher nie geschafft, die Jungs zu supporten! Warum? Irgendwie kam immer was dazwischen. Ich war im Urlaub. Ich hatte wichtige andere Termine. Ich hab’s verpeilt. Oder das Konzert wurde abgesagt. Ein Glück hab ich es jetzt aber doch noch vor der Pause geschafft!

Ein Lied passend zum Hafenklang und zu Hamburg. »Roadkill«. Ein Lied über den Hamburger Hafen. Ich finde, jede Band sollte ein Lied über Hamburg schreiben. Das bietet sich bei der schönsten und coolsten Stadt der Welt einfach an! Aber wo gehen wir nun hin? Zurück nach Japan! »Ikari«! Und da ist der Abend auch schon wieder gelaufen! Nach der Zugabe natürlich. Die Zugabe bestand aus dem ersten wirklich akzeptablen Song – so sagen sie selber –, den Captain Capa hervorgebracht haben: »Kids on Fire«, der Song, den sich der wankende Kerl neben mir diverseste Male lauthals wünschte.

Am besten fand ich an diesem Abend allerdings die Stimmung und den Humor der Band. Sie nahmen sich selbst nicht allzu ernst. Sie scherzten über ihren Bekanntheitsgrad und waren einfach gut drauf. Quasi witzig waren sie. Kurz vor Schluss stellte sich sogar heraus: eine Hälfte von Supershirt war am Start! Das schrie doch nach toten Tieren! Natürlich keine echten Tiere, sondern den gleichnamigen Song! Und geblendet wie ein Reh im Scheinwerferlicht gefiel der mir.

Es fehlte dem Abend an nichts. Krasse Beats. Leisere Töne. Überraschungsgäste. Bunte Lichter. Gute Stimmung. Bier. Selbst »Faraday« – der wohl bekannteste Song – wurde noch gespielt. Ich hatte Spaß. Die Jungs sind echt cool. Schade, dass sie jetzt erst einmal eine Pause einlegen.

Faraday’sche Füchse.

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