Die Rede ist von Kraftklub. Den Hipstern mit Hosenträgern und College-Style, die so tun, als wäre sie keine. Ganz klar. Die gaben nämlich gestern ihr drittes Konzert in der Großen Freiheit 36. Ich war recht müde, dementsprechend waren wir auch ziemlich pünktlich da. Trotzdem ergatterten wir noch einen guten Platz auf der Tribüne.

Die Band war ganz gut. Erinnerte mich ein bisschen an eine Mischung aus The Bosshoss und Billy Talent. Der Sänger war enorm dünn und man fragte sich, was der wohl für Drogen nimmt. Er hüpfte apathisch umher und wirkte so, als könne er nicht mehr stehen. Er krallte sich an seinen Mikrofonständer. War aber trotzdem ganz gut. Kurz darauf kündigte Felix von Kraftklub die Vorband »The Durango Riot« an.

Umbaupause. Dramatischer Horror-20th-Century-Fox-Star-Wars-Musik-Mix zur Einstimmung auf das Kommende. Ein leuchtendes K. Es gab Ritalin. Aufgedrehtheit pur. Guter Anfang. Stimmung. Gute Lieder. Wir sind zu jung für Rock’n’Roll. Deshalb hörn wir Indie-Musik made by Kraftklub. Das Publikum wird eingebunden. Erzählungen über Kolumbien, Schnupfen und Tee. Ein einsamer Felix im Bett, während die Bandkollegen feiern. Sein Leben ist nicht cool, sein Leben ist ein Arschloch.

Felix soll sich mal ausziehen. Das Publikum war interessant, aus jeder Alters- und Milieugruppe waren Leute vertreten. Das Wetter ist voll doof. Kolumbien war heiß. Hier ist es kalt. Quasi schon wieder Winter. Du bist weg. Ich bin hier. Du studierst jetzt in Frankfurt am Main. Die alten Schlagerstars haben gut Stimmung gemacht. Mit einem Lied, dass sie damals im Übel&Gefährlich nicht gespielt haben. Er griff zum Mikrofon und schrie: »Hier spricht Gott, huah!« Wir sind also die Nerds, die das ganze Merchandise gekauft haben, oder was? Krass. Meist kennt die Hälfte dieses Lied nicht. Ich kannte es.

Hey ho, let’s go. Das spielten sie mit der Vorband. Plötzlich wirkte der Sänger nicht mehr so apathisch. Ganz nett. Felix ist ein wirrer Tänzer. Genau so gut kann ich mich da vorne hinstellen und rumzappeln. Ich sing vielleicht nicht ganz so gut. Aber sein Hüftschwung ist toll. Randale! Eigentlich sind Kraftklub wie Die Ärzte. Nur jünger. Sie reden aber auch so viel wirres Zeug.

Nur meist hat es mit der Show zu tun. Das ist bei den Ärzten ja anders. Moshpit. Ich bin jetzt übrigens Jan aus Karl-Marx-Stadt. Alle Hamburger in der Großen Freiheit 36 waren gestern Abend Karl-Marx-Städter. Ich stand auf der Empore. »Tribüne« klingt nicht so positiv. Extra für uns auf der Empore musste das Publikum im Innenraum ein »K« aus Menschen formen. Moshpit.

Wir mussten uns hinsetzen. Was kam nun. Ach ja. Ich hau dann mal rein. Stagediving. Ende. Zumindest fast. Wir Hamburger – ich meine Karl-Marx-Städter – sind ja cool drauf und singen »scheiß in die Disko«, wenn wir eine Zugabe fordern. Kam dann auch. Ich will nicht nach Berlin. Da komm ich ja gerade her. Ich lief mit meiner Spiegelreflex durch Friedrichshain und machte Fotos von Streetart und interessanten Leuten.

Ein akustischer Song für Liam. Mein absolutes Highlight. Allerdings nur halb. Dann gab es das ganze Lied in Originalsound. Zwischendrin dann mit nackigem Felix und Glitterflitterexplosion. Ein krönender Abschluss. Action. Party. Randale. Gelungenes Konzert. Meine neue Lieblingsband.

Anti-Hipster-Hipster.
Bewerte diesen Artikel!

Leave a Reply

Kurze Info: Diese Seite verwendet Cookies. Mehr über Cookies erfährst Du in den Datenschutzhinweisen. Außerdem analysiere ich – anonymisiert –, welche Seiten Du aufrufst. Okay, verstanden
500