Ende Juni. Wie jedes Jahr: Festivalzeit für mich. Das Hurricane Festival – übrigens in komplett neuem Gewand – wartete diesmal mit prallem Sonnenschein auf uns. Wir kamen mit einigen Hindernissen in Scheeßel auf dem Feldparkplatz an und fanden uns direkt in einem Käfig aus Zäunen wieder. Alles wurde umgebaut, selbst das Festivalgelände.

Es war ca. halb zwei, als wir da so vor dem Bändchenzelt standen. Wir konnten maximal zurück, vorne stand eine risiege Menschenmasse, die nur ins Bändchenzelt gehen konnten. Allerdings gab es dieses Jahr eine »Fast Lane«, hier durfte man maximale einen Rucksack mitnehmen. Die Sonne knallte vom Himmel. Es war derbe heiß, um 16 Uhr sollten die Bändchenzelte erst öffnen. Zum Glück passierte das aber schon um halb drei. Wahrscheinlich weil die ersten Leute schon umkippten. Ich stand in der normalen Schlange, voller Panik. Bändchenvergabe ist ja immer Krieg.

Dieses Mal jedoch nicht. Keiner drängelte, im Zelt musste man sich auch nicht zu den Bändcheleuten durchprügeln, alles lief gesittet ab, das war mal gut und ungewohnt. Und erstaunlicherweise: Drängeln verlängert die Wartezeit. Denn nach zwei Stunden ohne Gedrängel hatte der gesamte Menschenpulk ein Bändchen. Die Einlassorganisation war echt gut. Auf dem Zeltplatz – nicht unser typischer, aber dafür direkt neben dem Greencamp – steckten wir uns ein großes Areal mit Absperrband ab. Zelte wurden aufgebaut, weitere Sachen geholt, alles stand.

Unwetterwarnung. Wir sollten alle in die Autos gehen, wegen des aufkommenden Gewitters. Wirkte nicht so dramatisch, machten wir also nicht, die Blitze, die wir sahen waren kilometerweit weg. Trotzdem waren wir recht unentspannt. Ging aber alles gut. Natürlich war jetzt alles tierisch matschig, quasi sumpfig. Trotzdem gingen wir abends mit Freunden von Isa zum Partyzelt. Nur eben in Gummistiefeln.

Wir tanzten etwas, uns wurde ein Bacardi-Cola ausgegeben, irgendwann war man aber müde und wollte Heim. Jetzt ging die Verwirrung los: wo musste man hin? Es hat etwas gedauert, bis wir feststellten, dass unser Zeltplatz zwei Eingänge hat, den einen zum Parkplatz und den anderen zum Festival selbst. Zurück am Zeltplatz war dann meine Seifenblasenpistole weg. Man ey, ich hatte noch 800ml Seifenlauge übrig, die war ja nun überflüssig. Wir gingen ins Bett.

Am nächsten Tag wachte ich auf und sah eine riesige Wasserpfütze über mir auf dem Zeltdach. Noch recht schlaftrunken fragte ich »Ist das Wasser?« Als Antwort kam aus der Nebenkabine nur »Im Zweifel Gin-Tonic.« War es natürlich nicht. Morgens um 6 machten wir uns auf den Weg zu den Duschen. Supergut. Man musste nicht anstehen, obwohl doch recht viele Leute um die Uhrzeit schon unter der Dusche standen.

Zurück auf dem Zeltplatz fiel Kevin auf, dass sein Stuhl ebenfalls weg war. Der stand zum Glück nur im Nebenpavillion. Meine Pistole leider nicht. So ziemlich der erste Satz, den ich zu Isa sagte war: »Boah Isa, schmink Dich mal!« War wohl nicht ganz so nett. Irgendwann ertönte das Horn Gondors. So ein Orkangriff wäre jetzt auch nicht schön. Wir grillten. Zwischendrin sangen wir »jein« von Fettes Brot. Gregor – einer der nicht wirklich zu unserer Gruppe gehörte – hat sich jeden Tag aufs neue dazu bereiterklärt zu grillen. Allerdings nicht mehr mit unserem superlangen Würstchenkneifer.

Ich wollte zu OK Kid – vorher waren auch schon Bands, die ich auf Grund von Faulheit aber verpasste. Am Eingang zum Festivalgelände eine weitere Neuerung: Frauen und Männer mussten sich an separaten Schlangen anstellen. Kommuniziert wurde das allerdings nirgendwo. Klug war das auch nicht, im Endeffekt standen nämlich alle Männer geschlagene zwanzig Minuten hinter dem Eingang und warteten auf ihre weiblichen Begleitungen, die zu 90% ja alle Handtaschen hatten, die durchsucht werden müssen. Naja, irgendwas muss ja immer unklug/unlogisch laufen.

Leider führte das dazu, dass wir nur die letzten 2,5 Lieder hören konnten, die waren aber grandios, hab noch nie so gute Livelieder gehört, ich war etwas emotional. Danach blieben wir noch etwas auf dem Zeltplatz. Ich lernte ein paar unserer netten Nachbran kennen. Der Rest unserer Gruppe traf nun auch ein. Endlich sind alle da. Stimmung. Wir gingen zu Billy Talent – wollte ich gar nicht sehen, aber so im Hintergrund gedudelt ist das ganz okay. Jedes Lied klang irgendwie gleich, war also nicht das spannendste. War auch nur für Rammstein da.

Was für ein verrücktes Konzert. Explosionen und Feuerwerk eröffneten das Konzert, Till Lindemann stand in einem pinken Pelzmantel auf so einem Scheinwerfer und fuhr von oben herunter. Was für ein Tier er da wohl geschlachtet hat? Angebliche Fans brannten auf der Bühne, generell brannte alles mal, Feuerwerk wurde direkt übers Publikum geschossen, wenn mal nichts brannte, dann war Sex im Spiel. Total verrückt aber echt gut. Annka meinte, Tils Grimassen machten ihr etwas Angst. Nur die Publikumsinteraktion fehlte mir etwas. Zum Schluss verbeugte sich die Band aber und bedankte sich. Eigentlich hat Till eine eher sanfte Stimme. Am verrücktesten Fand ich da aber den bunt leuchtenden Keyboarder, dier die ganze Zeit auf einem Laufband zum Takt lief.

Leider wollte im Anschluss niemand mit zu Callejon kommen, also ging ich alleine zur Red Stage. Zum Glück war ich aber da. Die Stimmung war gut, es war wider Erwarten kein bisschen voll. Trotzdem wirklich gut. Regen war zum Glück nicht so das Thema. Mittendrin ging ich dann aber doch zum Zeltplatz, weil ich einfach nicht mehr stehen konnte. Dort saßen wir dann noch etwas draußen, ehe wir schlafen gingen.

»Ich muss dringend den Traumfänger aufhängen!«, mit diesen Worten begrüßte uns Martina am nächsten Morgen.

Gesagt. Getan. Gleichzeitig organisierte sie auch noch eine Wimpelgirlande und ein paar Schnurrbärte. Es wurde gegrillt und dann auch Bierball gespielt. Wir haben gewonnen. War ja auch klar. Und die überflüssige Seifenlauge hatte nun auch endlich einen Sinn: wir warfen mit ihr nach der Wasserflasche. Der Ball lag nämlich noch im Auto. Danach spielten wir »Ich habe noch nie«. Erstaunlich, was da so zu Tage kommt, was Leute bereits getan oder auch nicht getan haben.

Mit Katja, Felix, Alisa und Marius ging ich dann zu Bloc Party, während die anderen zu Frittenbude gingen. Zwischendrin kaufte ich mir ein Calippo. Boah war das geil. Nur irgendwann einfach zu kalt zum Festhalten. Zwischendrin gab es auch noch ein Handbrot. Zum Glück war ich da, die waren wirklich sehr sehr gut. Haben Stimmung gemacht, war echt gut.

Von Of Monsters & Men widerum war ich total enttäuscht. Das war so lagweilig, da dachten wir usn »gehen wir doch zu Marteria« Der sang aber leider schon sein letztes Lied. Ich lieferte Alisa bei den Editors ab und ging selbst zu FM Belfast. Dort wurde ich dann von Fremden mit bunten Farben bemalt. War ganz okay, aber nicht herausragend. Zurück zum Zeltplatz.

Später dann mit Lenno und Josi zu Chase & Status in die White Stage gegangen. Das hätte ich mal lieber gelassen. Vorher wurde mir aber noch mein TetraPak abgenommen, weil 1,5 Liter definitiv viel zu viel seien. Erstmal durften wir nicht rein, weil es drinnen zu voll war. Irgendwann durften wir dann aber doch. Wir gingen recht weit nach vorne. Stimmung war gut. Plötzlich pogte mich von hinten ein Tier von man an, ich fiel fast hin. Daraufhin drehte ich mich um und meinte »Lass das mal bitte«.

Schlechte Idee. Zack. Kopfnuss. Zack nochmal, Gewürgt, geschubst, mehrfach die Frage, ob ich Stress wolle. Wollte ich natürlich nicht. Jedenfalls ging das vom einen Eingang zum anderen, als sich zum Glück die Masse zufällig oder nicht zwischen uns schob. Bin ich froh, dass ich nicht hingefallen bin. Außerdem hätte ich nie gedacht, dass eine Kopfnuss so laut ist. Total verrückt.

Jetzt sprach ich kurz mit der Security, die organisierte ein Team von vier Sanitätern, das fand ich viel, aber ist anscheinend normal. Die haben dann dann mein Auge ausgespült, weil das anscheinend knallrot war. Weiter zur Polizei, die Frau war cool, ich weiß nicht wieso, aber ich hab sie geduzt und sie sprach von ihren Erlebnissen auf Wacken. Sie riet mir noch mal das große Sanizelt aufzusuchen.

Okay, zwei Bands, die ich sehen wollte, konnte ich nun nicht sehen. Dort kam dann nochmal eine Augenärztin hinzu. Zwischendurch schrieb ich mit vielen verschiedenen Leuten, was passiert ist, allerdings schrieb ich nie, dass es mir eigentlich recht gut geht. Keine blauen Flecken, nur ein paar Kratzer und eine blutige Lippe – zum Glück nur von innen. Aber nur mal so: die sind da alle sehr nett, kann die Sanis und die Polizei auf dem Hurricane nur empfehlen.

Annka und Kevin haben mich abgeholt. Anscheinend war auf dem Zeltplatz noch mehr Drama, weil es einem aus unserer Gruppe ziemlich schlecht ging. Naja, vielleicht sollte es einfach nicht sein, dass wir Parov Stelar oder Deichkind sehen. Konnte auf jeden Fall nicht direkt ins Bett, war etwas verwirrt und hatte enorme Kopfschmerzen. War aber süß, wie sich alle um mich sorgten. Besonders Martina, als sie dann zum Zeltplatz kam.

Sonntag. Schon fast wieder vorbei das ganze. Wir frühstückten etwas – natürlich vom Grill. Dann mussten wir uns ans Abbauen machen. Wollten ja am Sonntag schon los. Genau zur richtigen Zeit haben wir angefangen. Denn exakt dann, als wir fertig waren fing es etwas an zu regnen. Super. Alles zum Auto getragen und schwupps aufs Festivalgelände, mussten noch in die »Shoppingmeile«, weil Kevin mir Tunnel mit Yoda gekauft hat, allerdings in einer falschen Größe. Währenddessen hörten wir Kashmir im Hintergrund, kamen genau richtig zu deren besten Lied »mouthful of wasps«.

Dann ging es zu Macklemore & Ryan Lewis auf der Blue Stage. Zum Glück wurde das von der Red Stage verlegt. Es war so übertrieben voll. Irgendwie schafften wir es aber mit unserer doch recht großen Gruppe weiter nach vorne zu schieben. Die Blue Stage ist ja irgendwie das Problemkind des Hurricanes, war letztes Jahr schon so, der Ton ist da nicht der beste. Weiter vorne ging es aber. Ging los. Komische Bühnenshow hatte er. Einen Pelzmantel aus echtem Deutschen Geparden, den er per Mantel-Crowdsurfing (also nur der Mantel) verschenkte.

Zwischendrin machte Macklemore dann noch Crowdwalking, hatte plötzlich eine 80er-Perücke auf und redete enorm viel. Er spielte nur sechs Lieder, trotzdem war die Stimmung sehr gut, besonders bei den bekannten Liedern.

Weil wir uns mit Martina und Patrick wiedertreffen wollten, liefen wir zum Handbrotstand – ich liebe dieses Handbrot! – nebenher spielten Frank Turner & The Sleeping Souls auf der Green Stage. Auch wirklich gut.

Leider konnte ich Left Boy nicht sehen, da alle gemeinsam zu Jimmy Eat World wollte. Martina, Patrick, Isa und Dominik haben sich da während Frank Turner schon einen sehr guten Platz vor dem ersten Wellenbrecher mit Platz zum Sitzen organisiert.

Jimmy Eat World war ganz gut, wenn es so im Hintergrund dudelt. War nicht so begeistert, wusste ich aber vorher auch schon, dass ich die gut, aber nicht herausragend finde.

Wir waren zwar zu spät, trotzdem pünklich zurück an der Blue Stage zu Two Door Cinema Club um uns mit Jule zu treffen. Two Door Cinema Club waren supergut. Mussten uns nämlich noch von dem Rest der Gruppe verabschieden. Stimmungsvoll war das Konzert aber, man wollte tanzen (konnte ich zu Beginn aber nicht, weil ich zu erschöpft war, später ging es dann aber doch). Two Door Cinema Club kann man sich durchaus nochmal ansehen. Zwischendurch dekorierte Jule mich noch mit Glitzer, anscheinend war das Glitzer des Vortages verflogen.

Vorbei. Wir mussten uns auch von Jule verabschieden. Dann drängten wir uns zu den Smashing Pumpkins. Man merkte am Publikum schon, dass die schon etwas älter sind. Fand ich nicht so gut, hat mich nicht gepackt, es wirkte so, als ob sie es einfach nur runterspielen, ohne den nötigen Spaß. Naja, aber man hat sie mal gesehen. Währenddessen gab es den geilsten Regenbogen, den ich je gesehen hab. Nach der Hälfte der Zeit gingen wir zurück zur Green Stage zu The Gaslight Anthem.

The Gaslight Anthem waren sehr gut. Zwischendurch gab ich Kevin einen Kuss. Sehr kurze Zeit später kam ein kleines gestreiftes Mädchen zu uns und meinte »Jungs, Respekt, ganz ehrlich, ihr habt richtig dicke Eier!« Ich glaube, das war ein Kompliment. Sicher war ich mir aber nicht so ganz. Der Sänger hat zwischendrin immer witzige Sachen erzählt, unter anderem, dass sie nächstes Jahr wiederkommen und für jeden Seifenblasenpistolen mitbringen. Super Idee!

Aber dieses Jahr hatten auch echt viele Leute solche Seifenblasenpistolen. Ich dachte eigentlich ich hätte eine coole Idee gehabt, die nicht so viele haben. Getäuscht. Es gab auch enorm viele Leute mit türkisfarbenen Haaren. Cool waren aber die Leute mit dem »Hi 5« in der Handfläche. Spontan trennten wir uns dann von Alisa um zu Max Herre zu gehen. Auf dem Weg hörten wir »sky and sand« von Paul Kalkbrenner auf der Blue Stage. Das Bühnenbild von Max Herre an sich war schon grandios.

Eine kleine Holzhütte, wie man sie auf Jamaica erwarten würde stand da, später wurde sie zum DJ-Pult umfunktioniert. Es drehte sich alles irgendwie um »Kahedi Radio«, man hatte also etwas das Gefühl, man sieht Liveradio. Nicht nur Max Herre stand auf der Bühne, sondern auch eine tolle Soulsängerin und zwei andere Rapper. Zu Beginn war die Stimmung richtig super, ich kannte die Lieder aber nur begrenzt bis gar nicht, doch als dann »a.n.n.a.« kam war ich hin und weg, eines der wenigen Lieder, die ich unbedingt mal live hören wollte. Er hat nicht nicht viel gemacht und trotzdem waren alle total im Flow und voll mit dabei.

Kurz vor Schluss mussten wir aber leider los. Wollten uns mit Alisa um 23 Uhr vor dem Handbrotzelt treffen. Wir organisierten noch ein Poster von Jennifer Weist, das Kevin auffiel und ich einfach nur super fand. Auf dem Weg dahin traf ich noch Natalia, eine ehemalige Mitschülerin, die am 24/7-Projekt teilgenommen hat. Die erzählte mir fix noch lustige Geschichten von ihren Tätigkeiten auf dem Festival.

Alisa kam leider zu spät, weil sie aus der Masse nicht herauskam. Sie war von Queens of the Stone Age in der ersten Reihe total begeistert, wir so gar nicht, das war einfach nur laut und unmelodisch (ich weiß, ich mach mir jetzt eventuell Feinde). Ganz schlimm war der letzte Ton: ein zwei Minuten lang gezogener Basston. Der Tat irgendwann einfach nur noch in den Ohren weh.

Fix huschten wir zum Auto, auch wenn wir recht früh loskamen standen wir eine Dreiviertelstunde im Stau. Die Rückfahrt war trotzdem wesentlich angenehmer und wacher als letztes Jahr. Zuhause duschte ich noch schnell und fiel totmüde ins Bett.

Nächstes Jahr wieder? Denke schon!

Hurricane 2013: Schlick in Scheeßel.
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