Du glaubst es nicht, aber ich war letzten Samstag endlich auf dem MS Dockville. Als Hamburger fast schon eine Schande, dass ich es nicht früher geschafft habe. Es war amüsant. Es war sonnig. Es regnete. Ich kannte mehr Acts, als mir bewusst war. Das gesamte Gelände war unfassbar faszinierend. Liebevoll gestaltet mit hipsteriger Kunst an jeder Ecke!

Um 14 Uhr trafen wir uns am Jungfernstieg. Wir? Das waren Gökhan, John und ich. Die verrückteste Kombination an Menschen, die man zusammenwerfen kann. John ist Schuld an diesem ganzen Quatsch. Der hat nämlich seinen Kollegen Skinny Finsta nach Gästelistenplätzen gefragt. Und was soll ich sagen? Wir standen auf der Gästeliste. Wenn auch leider nur samstags. Dennoch cool.

Am Freitag spielte hier Billie Eilish. Sonntag Drangsal – mein geheimer Lieblingskünstler seit dem vorletzten Hurricane. Samstag kannte ich eigentlich nur Von wegen Lisbeth. Giant Rooks sagten mir auch noch was. Die konnte ich nur nicht zuordnen. Auf dem Weg gab es bereits für jeden von uns einen Cider zum warm werden. Meine Güte war der Weg von der Bahn zum Festival lang. Ich glaube auch, ich war noch nie so tief in Wilhelmsburg drin.

Schlussendlich standen wir nach einigen hundert Metern vor dem Bändchencontainer. Eine kleine Spende später hatten wir auch schon unser pastellfarbenes Band ums Handgelenk und durften passieren. Hinter den Sicherheitskräften harrten wir den Dinge. Denn wir warteten auf Lisa samt Anhang. Das Gelände fühlte sich noch erstaunlich leer an. Okay, es war auch erst 15 Uhr. Wir erkundeten zunächst die Landschaft – ich war ja schließlich noch niemals hier.

Ja was soll ich sagen? Ich war geflasht von der Location. Mitten auf dem Gelände wurde hier und da Kunst integriert. Sogar mehr oder weniger interaktiv. Einfach toll. Auch wenn ich die Aufteilung der Bühnen merkwürdig fand: hintereinander. »Das behindert sich doch im Sound«, dachte ich. Dem war jedoch nicht so. Von den anderen Bühnen bekam man während der Auftritte gar nichts mit.

Kurz vor 16 Uhr. Schnell zum Vorschott. Skinny Finsta war dort am Start. Ghetto-Hip-Hop Als Begrüßung für die allmählich eintrudelnde Festivalbande. Die Wiese vor der Bühne: unfassbar leer. Leider. Denn so schlecht ist Skinny gar nicht – zumindest auf Platte. Die paar Leute vor der Bühne feierten ihn jedoch hart. Immerhin hat er Sex mit einer Polizistin – also nicht auf der Bühne, nur musikalisch.

Lea und ihre Gang stießen währenddessen ebenfalls zu uns. Die Anzahl der Menschen in unserer Gruppe nahm langsam Überhand. Ein Teil verkrümelte sich daher kurz ins Nest – dem Party-Tanz-Disco-Bereich neben den Fress-Ständen. Auch hier kann man nicht meckern: es sieht alles einfach unfassbar cool aus. Lange konnten wir nicht bleiben, denn Lea hat uns darüber informiert, dass die Drunken Masters spontan für einen anderen Act eingesprungen sind. Die konnte man sich dann mal geben!

Am Vorschott war es plötzlich gerappelt voll! Wir waren anscheinend nicht die einzigen mit der Drunken-Masters-Idee. Bis hier hin war ich gar kein großer Fan von denen, aber live sind die Jungs ’ne Wucht. Geile Beats, massive Bässe und ein unfassbar cooles Publikum, das Party ohne Grund macht und dabei einfach vollkommen ausrastet. Echt. Richtig. Gut.

Nach den Drunken Masters stellte hier Nura ihr musikalisches Können unter Beweis. Wir tranken nebenher Gin Tonic und chillten auf dem Deich. Leider waren wir nicht so recht überzeugt von ihr. Als Teil von SXTN fand ich sie deutlich besser. Da alle nicht sonderlich glücklich mit der musikalischen Untermalung waren, folgten wir Leas Rat und begaben uns zum Maschinenraum und Two Feet.

Dort standen wir also. Im wunderschönsten Sonnenuntergang auf der Elbinsel. Wir lauschten langsamem Hip-Hop. Der war okay. Wir genossen die fröhliche Stimmung. Doch ein ganzen Konzert von Two Feet war mir dann doch zu viel. John zum Glück auch. Irgendwie klang alles gleich. Ich hatte Hunger. Es wurde ein sehr enttäuschender und vollkommen überteuerter Wildschweinburger.

Eine Sitzgelegenheit zwischen dem Maschinenraum und dem Großschott konnten wir uns ergattern. Mit Blick aufs Großschott. Dort standen Giant Rooks. Ich wusste, ich kannte den Namen, konnte ihn aber nicht zuordnen. Doch als dann »wild stare« ertönte, wusste ich wieder, wer das war. Die mit dem einen Lied, was man irgendwann mal überall gehört hat. Das war gute musikalische Untermalung, während man entspannt auf einem Festival sitzt.

Kurze Zeit später stießen wir zu Lisa und Gökhan. Der Weg war beschwerlich, denn das Gelände ist recht schmal und die Bühnen stehen alle mitten im Markt, sodass man sich ständig durch Menschenmengen pressen musste. Auf dem Weg zum Nest kamen wir an einem riesigen Maulwurf und einem überdimensionalen Marder vorbei. In der Dunkelheit ist das Nest noch 100 Mal cooler! Bunte Lichter, tanzbare Musik. Großartig. Natürlich tanzten wir. Unter einem Baum, denn es begann zu regnen!

Ich packte meinen Friesennerz aus. Lisa ihren Tarnumhang. Es wurde heftig getanzt und gefeiert, ehe wir uns auf den Weg zu Von wegen Lisbeth machten. Wir standen seitlich zur Bühne, konnten dort eigentlich sehr gut sehen, haben aber nicht wirklich hingeschaut. Warum? Nun ja, ich habe die Jungs schon auf dem Lunatic 2016 und ein Jahr später im Docks gesehen. Das war aber nicht der Hauptgrund.

Denn eigentlich wollten wir nur tanzen. Wir tanzten im Regen. Matsch spritzte überall hin. Es war gut. Die Stimmung wurde nur kurz von einem aufdringlichen Mädel unterbrochen, das erst Gökhan, dann John und schließlich mich auf eine sehr unangenehme und unfassbar aufdringliche Art anflirtete. Als ich ihr klarmachte, dass mir das unangenehm sei ist sie kurz verbal ausgerastet, ließ dann aber von uns ab. Ein Glück.

Eine Beruhigungsminute später war die Stimmung auch wieder ausgelassen gut. Freigetränke gab es leider nicht. Aber zum Abschluss noch einen kurzen Abstecher ins Nest, ehe wir uns nass und durchgefroren in die vollkommen überfüllte, klamme S-Bahn quetschten. Das beste an diesem Festival: das warme, kuschelige Bett, das einen nach einem harten Tag an der frischen Luft zuhause erwartet.

Mir gefiel es gut. Ich wäre gerne das gesamte Wochenende am Start gewesen, aber um einen ersten Eindruck zu gewinnen, war der Samstag perfekt. Ich konnte mich in Ruhe umschauen, ohne den Stress zu haben, von Bühne zu Bühne zu hetzen, weil ich so viele Bands sehen will. Echt ein gutes Festival. Sehr zu empfehlen.

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