Ehrlich gesagt war ich recht unmotiviert, noch einmal das Haus zu verlassen. Denn das Wetter ließ zu wünschen übrig. Es nieselte. Doch Necim und Vivi holten mich ab, da konnte ich natürlich nicht ablehnen. Immerhin habe ich das ganze auch vorgeschlagen: Meute haben sich für einen Guerilla-Gig auf dem Beatles-Platz angemeldet! Da durfte man nicht fehlen!

Meute? Genau. Ein Dutzend Hamburger Jungs, die gemeinsam eine äußerst ungewöhnliche Idee hatten: sie machen Blasmusik. Im Techno-Stil. Außergewöhnlich anders. Wer braucht denn schon einen DJ, wenn er Pauken und Trompeten hat?! Elektro ohne Elektronik. Grandios anders. Aber unglaublich mitreißend!

Eine Stunde vor Beginn standen wir dort zwischen Paul McCartney und John Lennon. Mit einem Cider in der Hand für die gute Laune. Bisher tummelten sich kaum menschen hier am Beatles-Platz herum. Ich glaube, so früh war ich auch noch nie auf dem Kiez. Die ersten Junggesellenabschiede zogen an uns vorbei. Der Türsteher vor Susis Showbar wirkte bisher weitestgehend gelangweilt.

Es dämmerte. Die Lichter wurden heller. Menschen setzten sich zwischen die Beatles. Man trank Bier. Lachte. Knutschte. Was man eben auf dem Kiez so macht. Es füllte sich schlagartig kurz vor 23 Uhr. Wo kamen plötzlich die ganzen Menschen her?! Egal. Mehr Menschen heißt auch mehr Spaß. Durch den Tumult tanzten Menschen mit leuchtenden Hula-Hoop-Reifen. Warum?

Es wurde uns klar, als eine Tuba ertönte. Die gehörten zur Show. Ich war etwas irritiert, denn ich habe die Meute nicht kommen sehen! Sie waren urplötzlich einfach da. Mitten in der Menge. Xylophon. Pauken. Trompeten. Alles war am Start. Die Leute jubelten. Es war krass, wie laut es war. Ohne Verstärker. Dabei klang es alles so elektronisch. Richtig gut. Die Menge ging ab.

Konfettikanonen waren mit von der Partie. Die leuchtenden Ringe wurden durch die Meute gewirbelt. Alle sind dezent eskaliert. Auf die Idee muss man erst einmal kommen: etablierte Deep-House- und Techno-Songs bekannter DJs, wie »rej« von Âme, ausschließlich mit analogen Musikinstrumenten so zu covern. Und dann sind die Lieder immer noch cool! Da gehört einiges an Mut, aber vor allem Können dazu!

Ich war geflasht. Bei Disclosures »you and me« sowieso. Der Song ist im Original schon großartig. Durch dieses musikalische Arrangement von Meute bekommt der Song aber nochmal wesentlich mehr Charakter! Ich vermute, das verhält sich hier wie mit Schallplatten und CDs: Es verleiht dem Ganzen einen Hauch mehr Seele.

Besonders gestern ist mir aufgefallen: die Jungs begeistern mit wenig – und das meine ich im positiven Sinne! Die Band ist nicht für die Bühne, sondern für die Menge gemacht – wie ich bereits auf dem Hurricane feststellte. Das steigert den Spaßfaktor ins unermessliche, weil man alles hautnah miterlebt! Man spürt das Herzblut, das hier geflossen ist!

Mit der Zugabe von Deichkinds »remmi demmi« gab es bei dem Hamburger Publikum eh kein Halten mehr. Groß-ar-tig. Ernsthaft. Es fing an mit ein paar Tönen, bei denen ich schon dachte »hey, das klingt wie Deichkind!«, konnte mir aber nicht so wirklich vorstellen, dass da jetzt die Jungs vom Deich kommen. Aber doch. Unverkennbar war es das. Es eskalierte. Krawall und Remmidemmi zwischen Susis Showbar und Hesburger. Famos!

Die Menge sang mit. Ich war begeistert. Würde ich mir jederzeit wieder reinziehen! Ein Glück habe ich mich noch einmal aufgerafft um auf den Kiez zu fahren! Es war eine tolle, kleine Spontan-Party! Dafür lohnte es sich wirklich, den Beatles-Platz zu kapern!

Guerilla-Gig mit Meute.

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One Comment

  • Onma sagt:

    Hallo,
    Schöner Blog-Post. Stellen Sie Informationen für alle zur Verfügung, besonders für diejenigen, die gerne zu Auftritten gehen. Danke für diesen Blog. Ich hoffe, bald wieder mehr informative Blogeinträge von Ihnen zu lesen.
    Mit freundlichen Grüßen
    Onma

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