Es sollte mein zehntes Hurricane Festival werden. Und ja, es war wirklich kurzweilig. In vielerlei Hinsicht. Es lässt sich ein Trend absehen: letztes Jahr fuhren wir erst am Freitag hin. Dieses Jahr hatten wir sogar nur Tagestickets für Samstag und Sonntag. Jubiläen und Scheeßel harmonieren anscheinend nur bedingt – zeigte sich ja bereits zum 20. Hurricane vor zwei Jahren.

Das war zwar nicht das Optimum, aber besser als gar nicht zu fahren, denn an der Urlaubsfront sah es schlecht aus. Daher dieser improvisierte Festivalbesuch. Da kam uns natürlich zugute, dass es dieses Jahr zum ersten Mal Tagestickets zu erwerben gab. Dachte ich. Denn spontan erwarb ich mir am Freitag noch ein Tagesticket für selbigen Tag. Wollte nämlich dringend The Offspring und Adam Angst sehen.

Gegen zwölf machte ich mich auf den Weg nach Scheeßel. Alleine. Fühlte sich komisch an. Nun ja, was will man machen. Irgendwen wird man schon kennenlernen. Ich stapfte in meinem Pailletten-Outfit durch Scheeßel zum Eichenring. Dort schnackte ich mit diversen Leuten, um irgendwie meine Tagestickets in ein Kombi-Bändchen zu tauschen. Klappte. Ein Glück. Drei Bändchen für ein Festival fand ich nämlich etwas viel.

Pünktlich zum #HurricaneSwimTeam war ich auf dem Gelände. Ich schnappte mir mein erstes Bier – ist es traurig, wenn man alleine auf ein Festival geht und dort dann alleine Bier trinkt? Musste ich aber, wollte ja nicht den ganzen Tag alleine durch den Matsch laufen. Und nur mit Bier im Kopf bin ich Fremden gegenüber aufgeschlossen. Komm lass uns scheeßeln gehen! Übrigens: hier ist man im Auto am sichersten!

Hm. Die große Frage: wie überbrücke ich die Zeit bis Adam Angst? Ich entschied mich dazu, kurz Festival-Shirts zu shoppen – die erstaunlicherweise samt Becher in diesen ohnehin schon maßlos überfüllten, wirklich kleinen transparenten Turnbeutel passten. Anschließend schnappte ich mir noch ein Bier und setzte mich vor den ersten Wellenbrecher. Nach kurzer Zeit setzte sich ein Pärchen zu mir. Er laberte mich voll. Ihr gefiel das alles gar nicht. Ich fand ihn auch eher anstrengend, also verdrückte ich mich nach einiger Zeit heimlich während Red City Radio – kannte die nicht, waren aber nicht schlecht!

Nach kurzer Zeit traf ich Hannes. Er trug – sehr adrett – eine golden goldene Fliege und wollte meinen goldglitzernden Pulli haben. Den konnte ich ihm natürlich nicht anvertrauen, aber eines meiner Stirnbänder und etwas Glitzer gab ich ihm ab. Marcel – Hannes’ Begleitung – gab mir einen Drink aus und ich zeckte mich spontan einfach in deren Gruppe ein. Ich habe Hannes mit dem Glitzer sehr glücklich gemacht. Seine Frau Tini hingegen gar nicht.

Die Gruppe war groß. Aber alle sehr sympathisch. Ich muss leider gestehen, dass ich die meisten Namen wieder vergessen habe – solltest Du einer von denen sein: Sorry, ich meine das nicht böse, Namen sind aber eh nur Schall und Rauch. Adam Angst ging los! Laut. Seit wann sagst Du sowas wie »geht gar nicht?« Ich finde Leute, die das sagen, gehen gar nicht! Falafel würde ich niemals probieren. Weil die das Fleisch aus Polen importieren!

Toll! Felix’ Stimme ist gewöhnungsbedürftig. Passt aber super zu diesem Punkrock Sound. Echt großartig. Ich überlege, ob ich im November nochmal im Molotow bei den Jungs vorbeischauen möchte. Essen und Trinken war der nächste Programmpunkt. Kurz an den Donots vorbeigeschlichen und dann doch zurück auf die Bänke bei der Blue Stage gesetzt. Muss leider sagen, dass ich von den Jungs nicht überzeugt war. Ich verteilte noch etwas Glitzer in der Gruppe.

Anschließend teilte sich die Gruppe auf. Denn ich wollte zu Chrvches. Die gefielen mir. Sehr entspannt zu konsumierende Musik. Sehr angenehm. Wir trafen uns im Anschluss alle wieder am Jack Daniel’s Stand. Hier trifft man sich anscheinend. Ich probierte eine Lynchburg Lemonade. Schmeckte echt gut. Wollte ich schon lange mal probieren. Endlich hab ich’s getan!

Dieses Jahr wohl eine der dümmsten Überschneidungen: Fjørt spielten parallel zu Feine Sahne Fischfilet! Wir entschieden uns für Fjørt. Die Red Stage war anscheinend die Bühne meiner Wahl an diesem Freitag. Post-Hardcore. Genau meine Musik. Generell fand ich das Line-Up dieses Jahr sehr aggressiv. Nicht, dass mich das stören würde. Fiel mir nur auf. Dreimal »Bitte, gib auf dich Acht!« Ich weiß nicht und wusste nie, wie man das macht. Aber eins ist gewiss: Wirst du mundtot gemacht, weil deine Denke hier nicht passt, dann steh auf und sprich!

The Offspring! Eines meiner Highlights – zumindest im vornherein. Fand die nicht so gut, wie ich dachte. Entweder es lag am Sound oder an der Band selbst. Aber es kam irgendwie alles nicht so rüber. Vielleicht lag es auch einfach daran, dass es noch hell war. Ich weiß es nicht. Fand die aber echt enttäuschend.

Darum ging ich auch pünktlich zu London Grammar! Herrje, die waren so gut. Kann das gar nicht in Worte fassen. Gänsehaut pur. Wie man mit so wenig Sounds – und demnach einfach nur mit der Stimme – so eine gute Show abliefern kann ist mir echt ein Rätsel. Aber es ging. Es war toll. Einfach toll!

Zu den Broilers wollte ich nicht. Daher organisierte ich mir etwas zu essen: vegetarischen Döner. Schmeckte gut. Fiel leider an allen Seiten auseinander. Wirr rannte ich damit hin und her. Denn ich suchte Martina. Die war nämlich gleich ebenfalls bei Two Door Cinema Club. Wir fanden uns und tanzten uns zu dieser wirklich lebensbejahenden Musik die Seele aus dem Leib. Immer wieder ein Highlight. Wenn man auf gute Laune steht, kommt man um diese Band nicht herum!

Zu guter Letzt – denn ich musste den letzten Zug erwischen – zog ich mir noch Billy Talent rein. Eine Band, die gefühlt jedes Jahr in Scheeßel spielt. Was für Lieder haben die überhaupt? Die ersten Songs kannte nämlich niemand. Es war trotzdem gut. Im Laufe der Show kamen natürlich auch ein paar Songs, die man kennt: »fallen leaves« zum Beispiel! Damit endete mein erster Festivaltag auch schon. Die Zugfahrt dauerte ewig. Aber ich bin heil zuhause angekommen.

Der Samstag begann sehr zäh. Ich schaffte es nur mühsam aus dem Bett. War jedoch viel motivierter, als ich mitbekam, dass Necim schon früher Feierabend machen konnte. Herrlich. Wir konnten Madsen sehen. Gleiches Spiel wie schon am Vortag: Tagestickets in ein Kombi-Bändchen tauschen. Hab ich eigentlich schon erwähnt, dass mir die gewebten Bändchen besser gefallen, als die Bedruckten? Erstmal zu Penny und in den Fotoautomaten.

Anschließend aufs Gelände. Ich ging fest davon aus, dass Madsen schon spielten. Zu früh! Es stellte sich jedoch einfach nur als Werbung für deren Tour heraus. Wir nahmen noch den letzten Song von Blackout Problems auf der FireStone-Stage mit – und schon wieder nur den letzten Song gehört, wie schon im April bei Jennifer Rostock. Wollte die eigentlich ganz sehen, aber wusste bis zu dem Zeitpunkt nicht, wie die FireStone-Bühne steht.

Madsen waren gewohnt gut. Gute Show, selbst bei uns hinten am Handbrotstand kam die Stimmung an. Auch wenn ich die Show bei der Generalprobe im Knust ja bereits mitbekommen habe, gefiel mir das erneut sehr gut! Allerdings mussten wir uns jetzt sputen. Denn unser Highlight des Tages wartete!

Mø! Eine dänische Band mit wirklich guten Sounds. Erstaunlicherweise kannte ich mehr Lieder, als ich dachte. Das Verrückteste war »lean on«. Dieses Lied aus Mockingjay mit Major Lazer. Krass. Das sind Mø. Ich war etwas von den Socken. Die meiste Zeit kniete die Sängerin am Boden. Vielleicht kann sie so besser singen. Jedenfalls musste ich sie daher häufiger suchen.

Da Mø auf der Red Stage spielten, mussten wir zwangsläufig an der Blue Stage vorbei. Und dort spielten noch Bonez MC & RAF Camora. Beste Leben. Konnte ich die auch noch sehen. Viele Lieder spielten sie natürlich nicht mehr – jedoch alle, die ich kannte. Wirklich gut fand ich es ehrlicherweise nicht. Aber das weiß man ja vorher nicht. Ist mir ein wenig zu Ghetto – ein wenig mehr grammatikalisch korrekte Artikulation hätte mir ebenfalls besser gefallen. Unterwegs zur Fressmeile stießen wir natürlich auf die Green Stage.

Dort spielten immer noch The Kooks. Die habe ich zuletzt 2012 gesehen und fand sie nicht so gut. Beziehungsweise war ich damals sehr glücklich, dass ich zu den verrückten Mädels von Katzenjammer gegangen bin. Dieses Jahr fand ich die aber nicht schlecht. Ist wohl tagesformabhängig. Oder es lag an dem wirklich leckeren – aber unglaublich teuren – Elch-Döner. Dennoch habe ich hier hier fast alle Lieder gehört, die ich kannte und auch mochte.

Bis zu Biffy Clyro war noch etwas Zeit, wir schlenderten also kurz über das Gelände, ehe wir uns recht weit nach vorne an die Green Stage stellten. Denn die Schotten wollte ich mir nicht entgehen lassen. Necim fand die leider nicht so gut. Und warum sie alle nackt waren war mir auch ein Rätsel. So warm war es nun wirklich nicht. Ich musste mich in meinem Regenponcho verkriechen, weil mir etwas kühl war. Bei »rearrange« konnte ich natürlich nicht anders, als zu flennen, wer hätte das gedacht. Schön. Wundervolles Lied!

Alleine verschlug es mich zu den Beginnern zur Blue Stage. Maßlos überfüllt war der Laden hier. Was los, Digga, ahnma?! Wie sie gucken, wie sie labern! Krass, was hier los war. Und was für eine Show! Gustav Gans war auf der Bühne. Licht. Überall Licht. Geiles Bühnenbild. Mega Stimmung. Alle machten mit – und ich stand wirklich weit hinten, da ist die Stimmung normalerweise eher mäßig bis verhalten!

Die krasse Show führte sich bei The Prodigy übrigens fort! Gleiches Spiel bei anderer Band – und anderer Musik: alle feierten mit, bis in die hinterletzte Reihe – und auch hier war das Gelände wieder maßlos überfüllt! Ich bin übrigens verwundert, dass ich keinen epileptischen Schock bekommen habe, so viel Stroboskoplicht, wie die Engländer parat hatten.

Leider konnte ich nicht bis zum Schluss bleiben – dieses Bahn-Thema wieder. Ich konnte mich also nicht zu Justice begeben, dafür aber zum Bahnhof. Kurz vor dem Ausgang wurde ich noch kurz von drei Düsseldorfern aufgehalten, sodass ich mich wirklich sputen musste, nicht zu spät zum Bahnhof zu kommen. Klappte aber auf die Sekunde genau.

Sonntag. Der Zug um halb zwölf war unserer. Ich hätte es ja nicht gedacht, aber mit dem Metronom hin- und herzutingeln ist fast genauso anstrengend, wie das Zelten auf dem Festival. Der einzige Vorteil: das kuschelige Bett und die saubere Dusche. Der Nachteil: im Zweifel verpasst man sehr gute Bands, weil man auf den letzten Zug angewiesen ist. Ergo: nächstes Jahr zelten wir wieder. Ich schlafe lieber schlecht und sehe dafür noch mehr Bands! Da wir so früh aber noch niemanden sehen wollten, tingelten wir noch ein bisschen bei Touché Amoré vor der Green Stage rum. Waren ganz gut.

Aber mein Highlight waren mit Abstand Drangsal! Cooler 80s Pop-Rock mit guten Texten und eingängiger Melodie. Lege ich Dir wärmstens ans Herz! Eine sehr sympathische Band – halt, Drangsal ist anscheinend keine Band, egal – der Sänger war auf jeden Fall sehr sympathisch. Sehr zurückhaltend. Aber echt so jemand, den muss man einfach mögen. Und: die White Stage war enorm voll! Für einen Künstler, der um 13 Uhr auf der Bühne steht echt ein gutes Zeichen! Ich hätte mir zwar anstelle zweier Cover-Songs lieber »laufen lernen« gewünscht, aber man kann nicht alles haben. Es war trotzdem ein wirklich guter Auftritt mit Publikumswohlfühlfaktor! Ich weiß jetzt schon, wer im November im Übel&Gefährlich in der ersten Reihe stehen wird (ich)!

Wieder zurück unter dem trüben Licht der Wolkendecke schallte uns spanischer Ska entgegen: Talco. Kannte ich nicht. Spielten auch nicht mehr lange. Aber: ebenfalls ziemlich gut. Sehr lebensbejahend. Gute Laune vorprogrammiert. Eine kleine Überraschung. Ich stellte mir unter dem Namen nämlich eher etwas in Richtung Death Metal vor. So kann man sich irren.

Swiss & die Anderen waren nun allerdings leider raus, weil wir von Talco abgelenkt wurden. Das bedeutete jetzt aber auch, dass wir erstmal Pause hatten. Denn für zehn Minuten von der Green zur Red Stage zu hetzen steht ja in keinem Verhältnis. Wir schlenderten wieder über den Campingplatz, machten noch ein paar Fotos und erfreuten uns des akzeptablen Wetters. Nebenbei lief Fußball auf dem Playground.

Bevor wir uns auf zum nächsten Act machten, schielte wir noch einmal bei der Jack Daniel’s Lounge vorbei. Dort gab es auch einen Fotoautomaten, der musste natürlich mitgenommen werden. Parallel spielten NOFX. Hui. Die waren so gar nicht meins. War ganz froh, als wir dann zu unserem nächsten Programmpunkt übergingen:

Meute. Wieder auf der White Stage. Wir probierten einen neuen Drink aus: Vodka gemischt mit dem gelben RedBull. Das schmeckt echt gut. Und verheerend, denn man schmeckt den Alkohol nicht mal ansatzweise. Wir stehen da also im Zelt an der Bar, als mir von hinten jemand auf die Schulter tippt. Mein Chef. Er hat mehrfach erwähnt, dass er jedes Jahr auf dem Hurricane ist, ich hielt es aber immer für ein Gerücht. Nun weiß ich: nein, es stimmt! Es entstand dieser awkward Moment, bei dem keiner weiß, wie man sich begrüßt. Am Ende umarmten wir uns.

Nun ja, was sagt man zu Meute? Die waren wirklich gut. Machen echt gute Laune. Das wissen anscheinend auch recht viele – denn das Zelt war übertrieben voll. Allerdings finde ich, dass diese Art der Musik nicht ins Zelt passt. ich hätte noch mehr Spaß gehabt, wenn die Hamburger draußen gespielt hätten. Aber man kann ja nicht alles haben. Gut waren sie allemal!

Kurz an Franz Ferdinand vorbei zu Samy Deluxe. Pflichtprogramm für jeden Hamburger – für mich sowieso, ich hab ihn nämlich noch nie live gesehen (von Fünf Sterne Deluxe auf dem Hurricane 2014 abgesehen). Jetzt hatten wir nur ein Problem: die Red Stage war hoffnungslos überfüllt. Fehlplanung! Wenn die Beginner auf der Blue Stage spielen, gehört Samy doch auch da hin.

Naja, muss man jetzt mit leben. Wir schnackten kurz mit weiteren Zurückgebliebenen, ehe wir uns mit Friedi, einer alten Arbeitskollegin – ich war mit ihr und Beric bei OK Kid in Bremen – trafen. Wir standen da also bei James Bay, von dem ich die ganze Zeit dachte, es wäre James Arthur. James Bay ist cool. James Arthur nicht. Friedi nannte Necim liebevoll meinen »Pöbelfreund«. Aber was erwartet sie auch, wenn er mit mir zusammen ist? Nein, eigentlich hat er nur kurz gepöbelt, weil es kein gelbes RedBull-Getränk mehr gab.

Kurze Zeit später verabschiedeten wir uns, denn Friedi und Beric hatten VIP-KraftKlub-Plätze, die sie natürlich nutzen wollten. Wir gingen auch zu KraftKlub, allerdings untenrum. Rosa Rauch stieg auf. KraftKlubs alte Gassenhauer schallten über den Eichenring. Es roch nach Silvester. Das gefiel mir.

Lange konnten wir das allerdings nicht genießen, denn unsere letzte band des Abends stand auf dem Zettel: Arcade Fire! Die Kanadier sind live nämlich ein echter Ohrenschmaus. Einfach zum Lauschen und Genießen. Guter Ausklang ohne viel Party. Dafür einfach schön! Lohnt sich ungemein. Wir hatten Glück: es regnete nicht. Also konnten wir es wirklich genießen!

Tja. So schnell war das Hurricane auch schon wieder vorbei. Es kommt einem wesentlich kürzer vor, wenn man nicht zeltet. Wenngleich man auch erholter ist. Nächstes Jahr wird trotzdem wieder gezeltet. Denn: wir haben nicht einmal Flunkyball gespielt! Das geht so nicht, das müssen wir nächstes Jahr nachholen. Spaß hatten wir dennoch sehr viel!

Hurricane 2018: Kurzweilig anders.

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