»Ich glaube, man kann machen, was man will, man kann zeigen, was man will, man kann sagen, was man will … es gibt immer Leute, die das scheiße finden werden!«, und damit herzlich willkommen zur Best-of-Tour von Jennifer Rostock in der Alsterdorfer Sporthalle! Wir schreiben den 21. April 2018. Vorerst ist es wohl das letzte Jennifer Rostock Konzert in der Hansestadt.

Blackout Problems – die Vorband – haben wir leider größtenteils verpasst, weil wir vor der Sporthalle noch auf Grit und Sabrina trafen, die uns zu Beginn ein Stück begleiteten. Wir kauften uns je ein Band-Shirt (das mit den Brüsten) und klaubten so schnell wie möglich die Tour-Becher an den verschiedenen Tresen zusammen. Darum haben wir leider nur zwei Lieder mitbekommen. Dennoch glaube ich, dass mir die Band gefiel.

Es startete mit einem Rückblick. Wir reisten durch die Bandgeschichte. 10 Jahre Jennifer Rostock. Ganz schön lange. Fast genau so lange begleitet mich diese Band nun schon durch die Höhen und Tiefen meines Lebens – herrje, das klingt jetzt aber auch dramatisch. Ich finde die Bandpause schade. Wirklich schade. Aber immerhin ist es nur eine Pause. Und wehe nicht. Dann bin ich stinksauer! Ein rosaroter riesengroßer Elefant steht im Raum. Doch man sieht ihn kaum.

Es gibt nichts zu sehen, bitte sehen Sie her! Wir standen doch recht weit hinten. Man man man. Schade. Der Vorteil: hier gibt es Bier. Der Nachteil: wir stehen sehr weit hinten in der restlos ausverkauften Sporthalle. Riesig groß. 7.000 Menschen. Alle hier für diese eine Band. Krass. Das ist Rekord. Es ist das größte Jennifer Rostock Konzert ever. Ich mochte das Bühnenbild. Viele Neonröhren. Mehr braucht es nicht, um mich zu begeistern.

Der Abend stand unter einem ganz besonderen Motto: Hits, Hits, Hits. Das heißt: heute gab es ausschließlich Hits auf die Ohren. Hast du Feuer? Gib mir Feuer, dann geh bitte wieder heim. Die Zigarette danach rauch ich lieber allein! Es war nicht nur eine musikalische Zeitreise. Sondern auch eine alkoholische. Der erste Schnaps war Jägermeister. Zickezacke, zickezacke …

Ihr tretet mich vom Himalaya und ich kletter wieder rauf. Ihr ertränkt mich im Eriesee und ich tauch wieder auf. Ihr steinigt mich für mein Leben mit zerreißender Gier und ich bin immer noch hier! Du trinkst Whisky mit Freunden und Bordeaux mit Frauen. Ein Grund mehr, dir nicht über den Weg zu trauen. Denn Du willst mir an die Wäsche! Crossover-Remix. Es fing an mit der Ursprungs-Version und endete in der deutlich elektronischeren Live-Version. Lediglich Sido fehlte jetzt noch.

Da war irgendwie sehr viel los. Wir tauchten ab in die Welt der Vampire: Du tauchst in mein Leben, schürst aufs Neue die Glut und meine älteste Narbe spuckt wieder Blut. Es tut wieder weh! Das Outfit fiel inzwischen deutlich sportlicher aus als zu Beginn. Du bist irgendwo anders. Und ich spür Dich nur noch schwach. Nacht für Nacht lieg ich neben Dir wach. Es flossen Tränen. Ausnahmsweise nicht bei mir. Gänsehaut kam da trotzdem auf.

Du bist taktlos, taktlos, bring mich aus dem Takt, bloß sing mir keine Lieder, Deine Lieder sind geschmacklos! Sag nicht was Du denkst, wenn Du denkst, es war nicht alles schlecht! Natürlich ist Nico auch wieder dabei, um ins Mikro zu brüllen. Wer ist dieser Nico eigentlich? Das wurde auch aufgeklärt. Der hat früher auf Tour die Drecksarbeit gemacht und ist nun noch dabei, weil er zur Familie gehört. Wie süß. Zeit für Mexikaner! Heuheuheu!

Mucken oder ducken ist wie spucken oder schlucken. Ich soll die Nerven anderer Leute schonen. Ich sag: Keiner nimmt mir mein Mikrofon! Eckstein! Eckstein! Alles muss perfekt sein! Egal wie unbeleckt, sie sagen, jeder muss geleckt sein. Ich pfeif drauf, ich pfeif mir lieber noch ‘nen Sekt rein!

Könnt ihr mal was unplugged machen? Macht doch mal Unplugged. Eine Unplugged-Version wäre voll schön, macht doch mal unplugged. Nach kurzem Sträuben kam dann aber doch was ausgestöpseltes. Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. Mein Herz wird taub, mein Kopf wird schwer. Ich kann nicht mehr, ich kann nicht mehr. Und wir tun so, als ob’s ein Anfang wär!

Wer hat die Karten so gemischt, so gezinkt, so gesehen? Wer hat die Gruppe hier so gelinkt? Das Karma ist korrupt, das Drama ist zum Schreien, aber wenn Du schreist, schreist Du nicht allein! Regenbogenflagge! Zeit für Frangelico! Kein Preis, aber x-mal nominiert, ist wie halbsteif, nie so richtig errigiert. Und keiner kann mir sagen, was als nächstes passiert. Einmal kurz in den Charts, morgen fahren wir wieder schwarz! Und ganz nebenbei: egal, was die Bild über Politik oder Titten schreibt: wählt bloß nicht die AfD!

Wie schön sich die Band bei uns bedankt hat, wie glücklich sie sind, dass wir sie so lange schon unterstützen, obwohl sie uns so viele Anlässe gegeben haben, zu gehen. Fernsehgarten, schlimme Frisuren. Alles mögliche. Dennoch sind wir geblieben. Ich bin gern geblieben. Der Filmstreifen hängt in immergleichen Schleifen fest, die Bilder springen wie ein Insekt, das sich nicht greifen lässt, das Geschwirre macht mich irre und es hält mich wach. Handylicht. Feuerzeuge. Zigarettenstummel. Die Halle ist hell erleuchtet. Was soll ich tun, Du machst mich schlaflos!

Ich bin nicht von hier. Du bist nicht von hier. Wir sind nicht von hier. Wir sind alle nicht von hier. Das Leben ist ‘ne Reise und das Glück ein Souvenir. Wir teilen uns diese Erde, komm wir teilen uns noch ein Bier! Kannst du mich sehen? Auch wenn alles schimmert? Auch wenn tausend Farben sich um uns drehen? Als wär diese Welt ein Kaleidoskop. Nico 2.0. Die Band haut einen Hit nach dem anderen raus. Jede Single, die sie jemals veröffentlicht haben. Ohne Verschnaufpause!

Erstaunlicherweise störte mich die Sporthalle nicht so, wie erwartet. Die ist ja nicht für die besten Konzerte bekannt, dennoch fand ich das hier echt gut. Die Sonne scheint hell und das Leben ist hart, an der Salatblatt gibt’s immer nur Salat! Ein kurzes Silberglitzerblingblingkleid. Pfeffi. Schnaps Nummer vier.

Ein paar Herzen gecrasht, Brände gelegt, ein paar Spuren auf meinem Weg. Ist das okay?  Es ist immer das Gleiche: ich brauch ruhiges Blut, doch die nächste Flut überschwemmt alle Deiche und ich kann nichts dagegen tun. Wolken aus Rauch steigen hinter uns auf, denn wir waren hier und jetzt wird mir klar, es war gut wie es war! Wir waren hier! Ein Glück! Oh man. Das war’s! Nein. geht nicht! Mittelfinger hoch! Nazis raus, Schwanz rein!

Du hast gelernt dass man besser keine Regeln bricht, dass man sich besser nicht im Gefecht die Nägel bricht. Tiefe Stimmen erheben sich, gegen Dich, knebeln Dich, doch wer nichts zu sagen wagt, der spürt auch seine Knebel nicht! Ich bin ‘ne Hengstin! Rotes Ghetto-Bauchfrei-Hoodie-Outfit. Muss ja schließlich zum Sound passen! Meine Freude ist nur vorgetäuscht. Das hat dir früher doch auch gereicht. Ja, zwischen uns ist alles cool! Sang sie, während sie in einem Bett lasziv und sexy durchs Publikum schwebte!

Du sagst, wir bräuchten mehr Zeit miteinander. Du sagt, wir sind schon zu weit auseinander. Ich glaub’, das stimmt so nicht! Wir brauchen nur etwas Haarspray! Denn ein halbleeres Weinglas ist besser als kein Glas! Schenk nochmal ein – Chardonnay! Und das ist, was bleibt. Von der guten alten Zeit. Akapella. Ohhh mein Gott. Gänsehaut. Du hältst es nicht aus. Alles geht vorbei. Sag mir, was bleibt. Geschichten, die wir heute schreiben, das sind morgen unsere guten alten Zeiten. Und das ist, was bleibt. Von der guten alten Zeit.

Jennifer Rostock bleibt – das entnehme ich einem Banner auf der Bühne. Funken sprühen. Oh je. Letztes Konzert. Ich bin wirklich etwas traurig. Keine Band habe ich häufiger live gesehen. Liebe Jennifer Rostock, bleibt bitte nicht zu lange weg! Das Konzert war jedenfalls sehr schön, ein Glück waren wir da! ❤

Eine kleine Anmerkung: ich habe mir geschworen niemals Emojis in meinen Posts zu verwenden. Das Herz hier oben ist ein absolute Ausnahme und Ausdruck meiner Liebe an die Band.
Ein halbleeres Weinglas ist besser als kein Glas.
5.00 (100%) 4 Bewertungs

Leave a Reply

Kurze Info: Diese Seite verwendet Cookies. Mehr über Cookies erfährst Du in den Datenschutzhinweisen. Außerdem analysiere ich – anonymisiert –, welche Seiten Du aufrufst. Das kannst Du allerdings auch ablehnen. Okay, verstanden! Ablehnen
779