Die Festival-Saison ist in vollem Gange, nachdem ich schon auf dem Lunatic Festival war, war nun mein Standard-Festival an der Reihe: das Hurricane. Zum siebten Mal war ich dort.

Donnerstag. Jans Geburtstag. Daher konnten wir auch nicht morgens zum Hurricane Festival fahren. Im Nachhinein hat sich herausgestellt, dass das ein Vorteil für uns war. Denn das bargeldlose Bezahlen, welches dieses Jahr eingeführt wurde, hatte eine kleine Funkwellen-Panne, somit hätten wir umsonst so lange gewartet.

Wir fuhren mit dem Metronom, der Umwelt zuliebe – okay, niemand von uns hat ein Auto – klappte ganz gut, dank der Sackkarre. Dem Gemüt zuliebe entschieden wir uns für das GreenCamp, mal sehen, wie das so sein würde.

Die Zugfahrt war ganz okay, etwas eng, aber nette Stimmung. In Scheeßel angekommen, schnappten wir uns ein Taxi, um nicht so weit zu schleppen. Bändchen gab es vorerst nicht, wegen des Funkproblems, somit huschten wir direkt aufs GreenCamp. Angenehm. Kann man gleich das Gepäck abladen und das Zelt aufbauen. Taten wir. Ich dekorierte es mit Glühbirnen (einer Lichterkette aus Birnen). Nun aber auf zum Bändchenzelt. Ohne Gepäck. Sehr angenehm. Dauerte dann auch »nur« eine Stunde. Das Aktivieren der einzelnen RFID-Chips nahm nämlich eine halbe Ewigkeit in Anspruch.

Warum nun RFID-Chips? Um damit zu zahlen, man konnte nämlich nichts, gar nichts mit Bargeld zahlen, leider, so hab ich definitiv viel mehr Geld ausgegeben, als ich wollte, weil ich keinen richtigen Überblick über mein Geld hatte. Naja, passiert.

Erst mal Bier kaufen im Super! der Markt. Letztes Jahr wurde es von Lidl gesponsert, dieses Jahr hat das Hurricane das wohl selbst probiert. War okay, Lidl an sich fand ich trotzdem etwas cooler, denn es gab keinen Eiskaffee! Bepackt mit Grill, Kohle und Bier trotteten wir zurück zum Zeltplatz.

Eljot Quent konnten wir leider nicht sehen, aufgrund dieser Funkwellen-Problematik, schade, die hab ich schon auf dem Deichbrand verpasst. Dafür schafften wir es gerade so zu Fuck Art, Let’s dance. Halt warte, es war Donnerstag, wieso waren wir schon auf dem Festivalgelände? Ach ja, es gab eine Warm-Up-Party. Mit wirklich guten Künstlern. Also ab zur White Stage. Mit Sangria bewaffnet lauschten wir den Klängen. Wir tanzten etwas, unterhielten uns, ehe auch schon Supershirt anfing. Ich wollte ein Bier. Freibier kostet 8.000 Mark, also bestellte ich lieber ein Normales, ist günstiger.

Wir setzten uns, die Anreise war doch etwas anstrengender und man wurde soglangsam etwas träge. War trotzdem schön. Fand’s auch echt gut, dass es schon direkt am Donnerstag losging, dann war man direkt in der passenden Stimmung. Es nieselte ein wenig. Alle Farben traten auch noch auf. Wir hatten Hunger. Wo war denn das groß angekündigte Food-LineUp? Erstmal suchen. Schwups, sahen wir so etwas wie einen Food-Truck-Market, der gefühlt nur aus holländischen Ständen bestand. Ich schnackte mit einer Holländerin, die mir eine echt leckere Tortilla verkaufte. Man man man, das Essen auf dem Festival war echt gut dieses Jahr! Vegane Burger, Handbrot und Pommes in diversen Variationen.

Am besten waren aber die Süßkartoffelpommes. Solltest Du unbedingt mal essen, sooo grandios lecker! Wie schnell der Tag doch vorbei war. Man rätselte noch kurz, was diese große Diskokugel in der Ferne wäre, wir wussten es nicht und kamen auch nicht nah genug dran, da nicht das ganze Gelände geöffnet wurde. Zurück im Zelt regnete es schon recht doll, egal, wir aßen nochmals zu Abend, das Vorzelt war erstaunlicherweise groß genug dafür, es passten drei Camping-Stühle samt Tisch hinein. Echt das beste Vier-Personen-Zelt, das ich hätte organisieren können, man konnte darin sogar stehen! Trotzdem waren wir erschöpft und mussten doch recht früh – okay, es war schon halb drei – schlafen gehen.

Der Freitag begann wie üblich damit, dass wir den Grill anschmissen. Man muss ja schließlich was essen! Es gab etwas Fleisch, sehr viel Grillkäse, Waffeln und Toastbrot. Zwangsläfig auch Nachos. Jemand empfahl uns, Nachos als Grillanzünder zu verwenden.

Nun ja, das klappte nicht so gut, da die Nachos nicht brannten, also liehen wir uns von den netten Nachbarn – erst fanden wir sie doof, weil sie uns von unserem Zeltplatz vertreiben wollten, aber das war nur eine einzige griesgrämige Person in der ganzen großen Gruppe – Grillanzünder. Okay, sie schenkten sie uns. Somit gab es ein Festmahl. Gefühlt habe ich zum ersten Mal gegrillt, aber ich glaube, das stand mir. Eventuell gab es auch schon ein Bier. Aber nur ganz eventuell vielleicht. Oder Mexikaner.

Man saß so rum und machte sich hübsch. Probierte einige Outfits an um sich dann doch nochmal umzuentscheiden. Ich sah aus, als sei ich in Alufolie gerannt. Vielleicht etwas viel Glitzer. So ist das nun mal. Schließlich schafften wir es doch auf’s Festivalgelände. Eigentlich wollte ich We are the Ocean sehen, aber da kamen wir vier Stunden zu spät. So sahen wir aber immerhin Labrassbanda von weitem. Wir machen’s uns auch einfach nicht leicht.

Ab zu Frittenbude. Dort trafen wir Jan (noch einen anderen Jan) und standen ein bisschen beieinander und tanzten und sangen. Ich fand’s gut! Nebenher sahen wir immer wieder Minion-Gruppen. Ich brauch auch unbedingt so einen Minion-Jumpsuit! Man sollte an der Blue Stage verweilen, denn danach spielten Parov Stelar. Ich mag die, die machen so beschwingt fröhliche Musik, sollte ich mir dringend nochmal in kleinerem Kreise anschauen.

Irgendwann war ich etwas fertig, während Alt-J war das, also setzten wir uns in so ein riesiges Bar-Zelt. Man war da viel los und viel Platz. Erschöpft waren wir wohl alle. Es regnete. Ein Grund mehr, sich unterzustellen, auch wenn wir unsere Regenklamotten anhatten. Ich war kurz vorm Einschlafen, aber Jan wurde The Glitch Mob empfohlen, also wanderten wir nach einiger Zeit – ich ließ meine Sonnenbrille zurück – zur White Stage zurück.

Kurz nahmen wir noch Placebo mit, weil die gerade auf dem Weg lagen. Am Zelt angekommen war der Mob schon in vollem Gange. Man war ich fertig. Eigentlich wollte ich mir Deadmau5 anschauen, The Glitch Mob kannte ich nämlich nicht, aber im Endeffekt war’s mir egal. Zum Glück. Das ganze Konzert war großartig. Ich konnte nicht mehr, war todesfertig, aber musste einfach tanzen, spätestens bei »seven nation army« gab’s kein halten mehr! Puh. Jetzt fielen wir aber wirklich tot ins Bett, nachdem wir diesen riesigen Umweg durch den Regen machen mussten, weil sich der Eingang zum GreenCamp in der hinterletzten Ecke befand. Man möchte ja meinen, dass GreenCamping Vorteile mit sich bringt, oder nicht?

Samstag. Der Tag begann früh. Mit einer Dusche. Duschen auf Festivals ist schon komisch. Man steht draußen an – erstaunlicherweise nicht so lange, wie man es erwarten würde –, dreckig, mit Handtuch und Duschsachen in der Hand, eventuell sogar etwas matschig. Drinnen dann stehen gefühlte 500 nackte Männer. So viele Duschen gibt es natürlich nicht. Warum sind die denn alle nackt?

Exakt, weil sie sich einfach schon mal ausziehen um dann über zehn Minuten auf eine freie Dusche zu warten. Muss man das nackt tun? Anscheinend ja. Ich schmiss beim Abtrocknen Jans Zahnbürste auf den Boden, die benutzte er dann natürlich nicht mehr. Also danach nochmal einkaufen gehen und den Grill anheizen. Ich fand sogar eine neue Sonnenbrille.

Das Essen war noch besser als am Vortag: Grillkäse mit Nachos, Toastbrot und Knoblauchsauce. Bestes der Welt. Kann ich nur empfehlen! Als Nachtisch dann Gegrillte Banane mit Toffifee. Bester Nachtisch der Welt! Noch nicht wirklich aufgehübscht mussten wir schon los, denn wir wollten Neonschwarz und Captain Capa sehen. Mist, spielen beide parallel. Wir entschieden uns für Captain Capa.

Die waren aber auch gut, man konnte entspannt etwas tanzen, und trotzdem waren doch recht viele Leute da. Wichtige Info: sie wollen die Keytar wieder einführen. Das ist diese Mischung aus Gitarre und Keyboard. Mal sehen, ob das klappt. Es war aber auch noch früh. Erstmal zurück zum Campingplatz. Es wurde ein neuer Zugang geöffnet. Jetzt war ich Fan, das ersparte uns zehn Minuten Fußweg. Aufhübschen ist angesagt. Die pinke Leopard-Leggins, die Jan gestern anhatte, habe ich nun an. Hose? Braucht man nicht. Und das, obwohl ich sonst immer der erste bin, der über solche Menschen pöbelt. Egal. Ich kann’s tragen. Sagte man mir zumindest häufiger. Ich will Flunkyball spielen!

Auf nach Mordor! Wir waren mit Bekannten von Jan verabredet. Die zelteten auf dem normalen Campingplatz. Herrje, welche himmelweiter Unterschied zu unserem Platz. Müll überall. Auf den Wegen. Vor Zelten. Einfach überall. Abgebrannte Dixi-Toiletten. Im Gegensatz dazu hatten wir die besten Toiletten der Festival-Welt: Goldeimer-Toiletten. Kompost-Toiletten, die nicht riechen und immer sauber sind. Außerdem gibt es Desinfektionsmittel. Leider kosteten die Geld, wert ist es das aber allemal.

Wir fühlten uns trotzdem, als würden wir aus dem Auenland nach Mordor reisen. Je weiter wir rein kamen umso schlimmer wurde es. Trotzdem gab es ganz weit hinten auch ganz nette Klos, die rochen nach Zimt und wurden gefühlt alle halbe Stunde gereinigt. Wir brachten Spiel-Biere mit, spielten Flunkyball dann aber nur mit 0,3-Liter-Dosen. Das geht viel schneller. Und noch besser: es gab Carlsberg. Wesentlich besser als Beck’s. Nicht ganz so herb. Kann man schneller und leichter trinken. Natürlich war ich im Gewinner-Team, das ist ja wohl klar.

Gemeinsam stapften wir los zum Gelände. Die 257ers standen auf dem Programm. Wir setzten uns recht weit hinten hin, da wir ja rechtzeitig bei Die Antwoord sein wollten. Die 257ers waren ganz okay, richtig wahrgenommen hab ich sie so weit hinten aber nicht. Wir trafen Jan. Und ein paar nette Mädels, die sich zu uns gesellten. Eigentlich verlangten sie nur nach Feuer. Inzwischen lief Alligatoah, der war auch gut, wir sollten uns aber trotzdem mal in Bewegung setzen. Schließlich wollten wir bei Die Antwoord etwas weiter vorne stehen.

Die waren aber echt grandios! Das Publikum hat mitgemacht. Der Beat war genial, Der Sänger stand da im Pikachu-Kostüm. Irgendwann dann nicht mehr. Tänzerinnen tanzten einen Live-Porno, der Screen im Hintergrund zeigt ein kleines, süßes, lächelndes Männchen mit riesigem Schwanz (sorry für diese Ausdrucksweise). Herrlich war die Stimmung, man wurde einfach mitgerissen.

Danach ging es wieder auf den Campingplatz. Wir spielten mit unseren Nachbarn Flunkyball. Eventuell sogar mit Sekt. Das ging noch besser als mit Carlsberg, das süffigste Zeug der Welt. Aber gut. Dann war der Tag aber auch schon wieder irgendwie rum.

Oh menno. Schon wieder Sonntag. Fast vorbei. Duschen und Frühstücken musste natürlich trotzdem sein. Gleiches Duschspiel wie gestern. Überall nackte Menschen. Später ganz viel Grillkäse auf dem Grill. Man saß so rum. Morgens wollten wir nicht wirklich etwas sehen. Also räumten wir etwas auf und brachten unseren Müll weg. Schließlich brauchte ich noch etwas Geld, da kam mir das Müllpfand gerade recht. Anschließend besuchten wir noch kurz unsere Freunde in Mordor, ehe wir unser Pfand wegbrachten.

Okay, leichter gesagt als getan, wir warteten sage und schreibe zweieinhalb Stunden, ehe wir an der Reihe waren. wir lernten Mädels kennen, die auch auf dem Lunatic Festival waren, mit denen unterhielten wir uns dann. Es gab aber auch nur zwei Pfandautomaten und die Leute waren unfähig den zu bedienen. Störanfällig sind die sowieso. Immerhin wurde die Öffnungszeit verlängert, sodass alle, die zu dem Zeitpunkt noch in der Schlange standen auch ihr Pfand wegbringen konnten. Manometer. Zwischendrin holten wir uns alle was zu Essen.

Hat auch gerade so geklappt, ich hatte noch mehr Geld auf meinem Chip und wir kamen trotzdem rechtzeitig zu Katzenjammer. Was ein Glück, sonst wäre ich echt sauer gewesen! Hatten sogar noch Zeit ein Bier zu organisieren. Ich mag die Mädels. Haben 20 Instrumente auf der Bühne und können alle spielen – mal mehr, mal weniger. Eine riesige Katzengitarre, eine Ukulele, Trompete und vieles mehr. Das kleine, pinke Piano lud ein wenig zum Verspielen ein. Aber das macht sie auch so authentisch und sympathisch. Würde mir die jeder Zeit wieder ansehen!

Da Ben Howard es nicht zum Hurricane geschafft hat, haben Madsen uns die Ehre erwiesen. Ich mag beide gerne, aber bei Madsen kann man schon mehr Spaß haben, mitrocken und mitsingen. Also war das wohl die bessere Alternative. Gefiel mir. Waren recht weit vorne, aber an der Seite, da ist es nicht so unangenehm voll.

Trotzdem wollten wir zu Casper, der hat nämlich ein exklusives DJ-Set angekündigt, da waren wir natürlich neugierig. Und schon wieder habe ich mich gegen Florence & The Machine entschieden. Zum dritten Mal. Bezeichnend. Aber Casper klang einfach verlockender. War er auch. War großartig. Partymarty vom feinsten.

Hat echt viel Spaß gemacht. Casper sollte häufiger was mit ’nem DJ machen. Und ob man es glaubt oder nicht: wir haben sogar noch ein bisschen was von Florence mitbekommen. War schon schön, aber eher zum Hinsetzen und lauschen, wir wollten tanzen. Also war das die eindeutig richtige Entscheidung.

Jetzt war es aber wirklich vorbei. Selbst das Festival selbst fand das schade. Das sahen wir ja gar nicht ein. Zack, ab ins Disco-Zelt. Herrlich. Zum ersten Mal war ich wirklich lange im Party-Zelt und hab euphorisch getanzt. Eigentlich wollten wir die Zeit bis zum ersten Zug überbrücken.

Wir sammelten noch etwas Müll für Jans Müllpfand, das konnte man nämlich durchgehend abgeben. Plötzlich sind wir da bei den netten Menschen versackt. Die haben uns sogar noch durchgefüttert und wir haben angeregt geschnackt. Nebenbei ließen wir uns unser restliches Geld auszahlen. Trotzdem sollten wir abbauen. Dachten wir. Am Zelt angekommen entschieden wir uns doch dagegen.

Somit war es Montag. Zelt abbauen dauerte länger als gedacht. Aber wir hatten weniger Gepäck. Immerhin. Trotzdem war es anstrengend, den ganzen Weg bis zum Bahnhof zu laufen, also nahmen wir uns wieder ein Taxi. Durch Zufall war es dieselbe Fahrerin, wie auf der Hinfahrt. Der Bahnhof war recht voll, aber leerer als erwartet und da wir ganz nach vorne liefen, konnten wir sogar sitzen. Vollkommen erschöpft.

Seit sieben Jahren komme ich todeserschöpft vom Hurricane Festival zurück und trotzdem möchte ich jedes Jahr wieder hin. Nächstes Jahr natürlich auch, das ist ja wohl klar!

Bier. Bühnen. Beats. Hurricane 2015.
4.2.00 (84%) 10 Bewertungs

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