Wie versprochen war ich wieder beim Hurricane Festival dabei! Dieses Mal leider nicht auf Rasen sondern auf Stroh gebettet, aber egal.

Los ging es natürlich wieder am Donnerstag Morgen. Wie letztes Jahr musste ich meinen Kram nach Horn schleppen. Dieses Mal allerdings nicht, weil Annkas Vater mich fahren wollte, sondern weil ich mit Martina mitfuhr. Die Fahrt war lustig, voller Musik und laut. Dort angekommen strahlte die Sonne extremst, aber davon ließ man sich ja nicht beirren. Ich hatte allerdings meine Sonnencreme vergessen. Mist. Egal. Dort wartete auf jeden Fall schon Claudia, die per Mitfahrgelegenheit hingefahren ist.

Die Sonne knallte, die Bändchenzelte waren noch nicht geöffnet. Wie immer. Also wartete man. Irgendwann entstand Panik. Wie immer. Alle drängten sich zusammen. Wie immer. Nichts passierte. Wie immer. Irgendwann ging es los und… wie letztes Jahr… es brach Krieg aus. Nach gefühlten drei Tagen hatte man aber sein schwarzes Bändchen um den Arm und war wieder draußen. Man begutachtete es und musste feststellen: es war falsch herum. Mist. Ich konnte das Wort Hurricane nicht lesen. War jetzt erstmal egal.

Dieses Mal war der Zeltplatz recht früh geöffnet und der Krieg hier nicht so doll wie letztes Jahr. Wir stürmten trotzdem auf den Zeltplatz und sicherten uns denselben Platz wie letztes Jahr und fingen an die Zelte aufzubauen. Natürlich trank man währenddessen schon ein bisschen Bier in der prallen Sonne.

Man schmiss natürlich auch den Grill an und trank auch von Martina selbstgemachten Sauren. Der war sehr lecker. Dann war ja auch etwas Zeit, weleche ich dazu ntuzte mein Bändchen mühsam über die Hand zu ziehen um es dann wieder richtigrum am Arm zu tragen. Das klappte zum Glück auch, es saß auch recht locker.

Leicht beduselt freute man sich dann über den Truck, der über den Zeltplatz fuhr und einen Auftritt von Egotronic um 18 Uhr ansagte. Da gingen wir natürlich hin. Feierten ein bisschen und unterhielten uns mit fremden Leuten mit lustigen Brillen und Hüten. Dann kamen auch noch ein paar andere Leute dazu, die zu unserer Gruppe gehörten. Der Abend endete recht früh mit ein paaar Bierchen und einem recht peinlichen Gespräch. Denn Isa schlief mit Kevin, welcher nachkam, in einem Zelt, was ihrem Freund aber nicht so gefiel, weshalb sie ihm sagte, dass sie mit Annka in einem Zelt schliefe, weil sie es nicht für logisch hielt zu sagen, dass Kevin schwul sei. Ich begrüßte daher Kevin mit den Worten »Ach Du bist der Schwule, der gar nicht Schwul ist, damit er mit Isa in einem Zelt schlafen darf…«. Ich glaube von da an mochte er mich nicht. Aber er hatte eine coole Weste an und coole Chucks. Was ich ihm im Laufe des Festivals auch mehrfach sagte. Der Tag ging auch so langsam zur Neige, aber man wollte ja duschen. Allerdings hatte ich mein Handtuch vergessen. Mist. Zum Glück hatte Kevin eins, welches auch Isa nutzte, aber egal, es war ein Handtuch. Ich war also duschen, verstört von den nackten dicken Menschen, die mit duschen waren, um dann quasi direkt wieder dreckig vom ganzen Staub zu sein. Dann hatte ich auch das Problem, dass ich „das Ende meiner Badehose“ nicht fand, um mich richtig abzutrocknen. Aber auch das Problem war gelöst und der Tag neigte sich wirklich dem Ende.

Am nächsten Morgen wachte man vor Hitze im Zelt recht früh auf und fing an zu Grillen. Vorher wunderte ich mich noch über das fremde Handtuch und war etwas irritiert, bis mir dann jemand sagte, dass es Kevins Handtuch sei. Also ging ich zu Kevin und meinte „Kai, hier hast Du dein Handtuch!“. Ich hab’s halt nicht so mit Namen. Lange Zeit war es recht ruhig, wir grillten und aßen, bis ein Schrei ertönte, von Leuten mit Pavillion, die sich in unsere Mitte verpflanzt haben. Darauf folgte ein „Hilfe, hier liegt ein fetter nackter Typ neben mir!“. Alle lachten natürlich.

Gegen Mittag spielte Deutschland, ich wollte mit zur Spielübertragung kommen, aber irgendwie haben meine Leute mich nicht gefunden. Ich wusste auch nicht wo ich war. Lag wohl an den mehreren Bierball-Spielen, die ich vorher spielte. Auf jeden Fall war ich bei Leuten, mit denen ich mich auch unterhielt. Jedenfalls trafen sie mich dann pünktlich zum Ende des Spiels auf dem Zeltplatz wieder und sagten mir, das wir gewonnen hätten. Cool. Aber eigentlich auch egal. Es gab noch ein bisschen Bierball und super Gespräche darüber, dass Kevin und ich ein super Pärchen wären… naja, wenn sie meinen.

Wir gingen ein bisschen über’s Festivalgelände, wechselten zwischen Jennifer Rostock und Paramore, weil Karen sich nicht entscheiden konnte, wen sie sehen wollte. Paramore waren lustig. Nach jedem Lied sagte die Sängerin »We are Paramore! We love Music! We love Germany!« Nett für die ganzen Betrunkenen, dass sie diese immer wieder daran erinnern, wo sie gerade sind. Anschließend ging es zu Madsen. Die waren seeehr gut. Die Dropkick Murphy’s hingegen nicht. Dafür die Pommes umso mehr, die man da so mit seinen superdreckigen Fingern aß, auch wenn sie einem runterfielen, dann hob man sie halt wieder auf. Ich vergaß meinen Lippenpflegestift, war daher umso dankbarer, dass mir jemand ein Kondom gab, das tut es zur Not auch um die Lippen angenehm zu befeuchten. Mando Diao danach am Abend, die fand ich sogar richtig schlecht, weshalb wir auch alle nach zehn Minuten gingen. Irgendwann an diesem Tag war ich auch noch mit Kevin auf Toilette, wir kamen anscheinend ewig nicht wieder und was noch verrückter war: wir sangen anscheinend sex on fire von Kings Of Leon. Und das, obwohl ich die letztes Jahr auch nicht so mochte. Naja, auch der Tag ging dann so langsam zur Neige.

Und schwupps war auch schon Samstag. Er fing gleich an: Grillen, Bierball, Festivalgelände. Dabei gab es eine enorme Überraschung auf der Red Stage: Timid Tiger. Die sind echt gut. Der Frontsänger hatte Hotpants an und sang Lieder wie womanizer und ina meena dika (ein indisches Lied. Echt super. Dabei leerten wir unsere Pfirsich-Eistee-Tetrapacks, in welchen sich zusätzlich Vodka befand, und hatten ein bisschen Spaß. Dann trennte sich die Gruppe auf. Auch wie letztes Jahr, einen Tag muss ich halt alleine rumlaufen. Ich wollte nämlich unbedingt zu Bonaparte, der Rest allerdings zu Frittenbude. Also hängte ich mich erst an ein paar Mädels, die sich dann plötzlich durch ein paar Typen bei Jack Johnson ablösen ließen. Dann bei Bonaparte traf ich ein Mädel in meinem Alter auf dem Weg ins Zelt. Sie meinte zu ihren Freunden, dass sie den ersten Typen mit Lippenpiercing küssen würde, der ihr über den Weg liefe. Dann schaute sie mich an und lachte. Sie küsste mich nicht, aber wir verstanden uns gut, waren vorne und genossen die Show mit Zirkusartisten, transgenen Menschen, also Männern mit Brüsten und vielen anderen Tiergestalten. Meine Schuhe gingen öfter auf, und das Mädel half mir immer wieder, sie zuzubinden, indem sie mich in dem Gepoge festhielt. Echt nett. Und ich war froh, dass ich nicht bei Frittenbude war, weil das Konzert wegen Überfüllung und Chaos abgebrochen wurde. Super. Ich hatte es richtig gemacht.

Billy Talent konnte ich mir nicht mehr antun, der Sänger hat ja nicht gerade eine angenehme Stimme, also verzog ich mich in mein Zelt. Abends kam ich nochmal kurz raus und unterhielt mich mit Kevin, doch wir gingen dann auch recht schnell schlafen.

Der Sonntag sollte alkoholfrei bleiben. Mist, ich hatte noch so viel Bier. Egal, das nahm ich halt mit. Aber wir wollten an diesem Sonntag schon zurückfahren, da ich am Montag, also nachher, Probearbeiten sollte. Manno. Ich bin knallrot, alles pellt sich und ich muss beweisen, dass ich ein kreativer Kopf bin. Na super. Naja wird schon. Kevin schlief anscheinend in dieser Nacht auf dem Handtuch, welches Isa und ich uns teilten. Wir luden morgens unsere Handys auf, damit wir auch wieder erreichbar waren und rannten ein bisschen hier rum, ein bisschen da rum. Hörten bairische Ska-Musik, die man nicht verstand, standen ganz vorne bei Revolverheld – fast wie in alten Zeiten – nur, dass sie wesentlich abgehobener waren. Ich kaufte mir zwischendrin ein T-Shirt, das für Frauen, weil die Männershirts alle uncool waren, dann setzten wir uns auf einen Berg und lauschten der Musik von Phoenix. Eine weitere Überraschung des Hurricanes, dachte nie, dass die so gut wären. Außerdem packten wir zwischendrin und wurden mit Pokébällen beworfen, aber eigentlich waren es Äpfel.

Es bewölkte sich während dessen. Da wir aber Deichkind sehen wollten, ließen wir uns nicht beirren. Wir gingen zur Bühne und warteten. Es kamen immer mehr Menschen. Es goss wie aus Eimern. Junge hab ich gefroren. War ja nicht gerade warm und ein Regencape hatte ich natürlich nicht. Jedenfalls wurde es uns irgendwann zu voll und wir beschlossen, dass wir uns aus der Menge entfernen sollten. War gar nicht so einfach, zwischenzeitlich schwebte ich durch die wabernde und leicht aggressive Menge. Von weitem war die Show aber trotzdem gut. Annka war im V.I.P.-Bereich, als sie über die Wellenbrecher gezogen wurde. Zum Ende des Konzertes trafen wir uns alle wieder und ich bat Martina, ihren Müllsack – wie ihn Deichkindfans gerne mal tragen – anzuziehen. Ich sah damit nicht gut aus, aber er hielt mich ein bisschen warm, wenn ich die Arme auch in ihm drin hatte. Der Rest verließ uns, ich wollte noch The Prodigy sehen, welche im Nachhinein eher enttäuschen waren, und Martina The Strokes, die auch nicht der Burner waren.

Also fuhren wir schon früher los. Ich mit Müllsack und beide mit Farbe im Gesicht, nachdem uns so ein paar Mädels anmalten. War ja klar, dass wir von der Polizei angehalten werden. Martina musste sich mit dem Finger an die Nase fassen und im Geiste bis 30 zählen. Alles war super und wir fuhren weiter. Zuhause angekommen duschte ich erstmal ewig, nachdem ich meinem Vater um kurz vor Mitternacht noch zum Geburtstag gratulierte, addete alle neuen Leute bei Facebook und StudiVZ und nun sitze ich hier und schreibe, obwohl ich ins Bett sollte. Verrückt.

Wünsch mir Glück für morgen!

Hurricane 2010: Scheeßel versinkt im Dreck.
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